Saturday, 2 December 2023

The memorable event on March 5th and 6th, 1848 in Niederstetten (1)

 This would be a very long post if I put all this document into this.  So I have split it into three.  I have copied and translated an article about Niederstetten in 1848 by Friedrich Mündlein.  Here is some information about F Mundlein

https://www.fnweb.de/orte/niederstetten_artikel,-niederstetten-creglingen-im-loewen-wurde-geschichte-gemacht-_arid,563389.html

and here is more information that may be of interest.

https://www.leo-bw.de/web/guest/detail/-/Detail/details/DOKUMENT/labw_auswanderer/3837/Auswanderer+aus+Niederstetten

Find the original source for the translated article here

https://kilchb.de/klausmohr/00k/die_revolution_1848_in_niederstetten.pdf

The foot notes I will make into end notes.

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Das denkwürdige Ereignis am 5. und 6. März 1848 zu Niederstetten Ergänzende und weiterführende Betrachtungen zu verschiedenen Beiträgen im Heimatbuch 650 Jahre Stadt Niederstetten A. Die Vorgeschichte B. Der Gewaltakt C. Das Nachspiel D. Schlussfolgerungen Friedrich Mündlein

The memorable event on March 5th and 6th, 1848 in Niederstetten Supplementary and further observations on various contributions in the local history book 650 years of the city of Niederstetten A. The prehistory B. The act of violence C. The aftermath D. Conclusions Friedrich Mündlein

 

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen. (Chinesisches Sprichwort)

When the winds of change blow, some build walls and others build windmills. (Chinese proverb)

 

A.      Die Vorgeschichte

A. The history

 

Mit dem Sturm auf die Bastille, dem Pariser Staatsgefängnis, am 14.Juli 17891 , begann die französische Revolution. Damit wurde ein Prozess in Gang gesetzt, der nachhaltige und einschneidende Auswirkungen auf die politischen, sozialen, wirtschaftlichen und geographischen Gegebenheiten im deutschen Südwesten zur Folge hatte. Ganz offenkundig wurde dies 14 Jahre später durch den Reichsdeputationshauptschluss am 23.Februar 1803 zu Regensburg.

The French Revolution began with the storming of the Bastille, the Paris state prison, on July 14, 17891. This set in motion a process that had lasting and drastic effects on the political, social, economic and geographical conditions in the German southwest. This became quite obvious 14 years later with the Reichsdeputationshauptleitung on February 23, 1803 in Regensburg.

 

Unter dem Druck Frankreichs und Russlands wurden viele deutsche Kleinstaaten aufgehoben, Kirchengüter zu weltlichen Zwecken eingezogen und geistliche Herrschaftsbereiche in weltliche umgewandelt.

Under pressure from France and Russia, many small German states were abolished, church property was confiscated for secular purposes and spiritual domains were converted into secular ones.

 

„Der in der französischen Revolution verkündete Grundsatz von der Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit aller Menschen fand auch in Deutschland (und hier vor allem in Südwestdeutschland) seine Befürworter und Anhänger. In Teilen des Bürgertums, insbesondere bei der Jugend, nahm eine Änderung der Selbsteinschätzung ihren Anfang und im Laufe der Jahre wandelte sich der Untertan zum selbstbewussten Bürger“2 .

“The principle of equality, freedom and fraternity of all people proclaimed in the French Revolution also found its supporters and supporters in Germany (and here especially in southwest Germany). In parts of the middle class, especially among young people, a change in self-assessment began and over the years the subject transformed into a self-confident citizen"2.

 

Davor blieb auch das Fürstentum Hohenlohe und das angrenzende Deutschordensgebiet Bad Mergentheim nicht verschont. Das hatte in den Adelskreisen alles andere als stürmische Begeisterung ausgelöst und das gemeine Volk wurde ohnehin nicht nach seiner Meinung gefragt. (In Bad Mergentheim kam es auch deswegen 1806 zu einem Aufruhr, der Tote zur Folge hatte.)

The Principality of Hohenlohe and the adjacent Teutonic Order area of ​​Bad Mergentheim were not spared from this. This had caused anything but stormy enthusiasm in the aristocratic circles and the common people were not asked for their opinion anyway. (This is also why there was a riot in Bad Mergentheim in 1806, which resulted in deaths.)

 

Dieses Fürstentum wurde damals von sechs Fürsten regiert, die in sechs Residenzstädten Hof hielten: Neben Niederstetten waren dies: Bartenstein, Öhringen, Langenburg, Waldenburg und Schillingsfürst. Dieses Territorium umfasste damals 1672 Quadratkilometer mit knapp 120000 Einwohnern in 17 Städten, sieben Markflecken, sowie 250 Dörfern und Weilern. Öhringen war mit 3000 Einwohnern die bedeutendste Stadt. Niederstetten hatte damals ungefähr 1200 Einwohner.

At that time, this principality was ruled by six princes who held court in six residential cities: In addition to Niederstetten, these were: Bartenstein, Öhringen, Langenburg, Waldenburg and Schillingsfürst. At that time, this territory covered 1,672 square kilometers with almost 120,000 inhabitants in 17 cities, seven towns, and 250 villages and hamlets. Öhringen was the most important town with 3,000 inhabitants. At that time, Niederstetten had around 1,200 residents.

 

Diese Region kam nun zum Herzogtum Württemberg, das dadurch zum Königreich Württemberg erhoben wurde. Der bisherige Regent, Herzog Friedrich II, war ab 1806 König Friedrich I von Württemberg. Auf ihn gingen nun alle Staatsgewalt und alle Hoheitsaufgabenin der Rechtssprechung, Verwaltung und in den Finanzen über . Die anderen Fürsten hatten damit allesamt ihre Stellung als Landesherren verloren.3

This region now became part of the Duchy of Württemberg, which was thereby elevated to the Kingdom of Württemberg. The previous regent, Duke Friedrich II, was King Friedrich I of Württemberg from 1806. All state power and all sovereign tasks in jurisprudence, administration and finances were now transferred to him. The other princes had thus all lost their position as sovereigns.3

Auch als Folge des Reichsdeputationshauptschlusses wurde dem Prinzen Karl Joseph aus der Bartensteiner Linie des Hauses Hohenlohe Niederstetten das Schloss Haltenbergstetten, das längere Zeit leer stand, als Besitz zugeteilt, gleichsam als Entschädigung für den Verlust der Herrschaft Oberbronn bei Bad Niederbronn - Les Bains in den Nordvogesen.

Also as a result of the Imperial Deputation Main Conclusion, Prince Karl Joseph from the Bartenstein line of the House of Hohenlohe Niederstetten was given the castle of Wartenbergstetten, which had been empty for a long time, as a property, as it were as compensation for the loss of the rule of Oberbronn near Bad Niederbronn - Les Bains in the Northern Vosges .

 

Napoleon verlangte von König Friedrich I .für das, was er durch ihn bekommen hatte, einen hohen Preis. Als 1812 seine Große Armee in Russland einbrach, mussten mehrere Tausend Soldaten aus dem Königreich Württemberg mit in den Krieg ziehen. Vom 26. bis 28.November 1812 waren auf dem Rückzug, beim Übergang über die Beresina (rechter Nebenfluss des Dnjepr in Weißrussland) die Verluste besonders groß. Davon kamen nur einige Hundert zurück. Sicherlich hatten auch Soldaten aus Niederstetten und der Umgebung dort ihr Leben gelassen.

Napoleon demanded a high price from King Frederick I for what he had gotten from him. When his Grand Army invaded Russia in 1812, several thousand soldiers from the Kingdom of Württemberg had to go to war. From November 26th to 28th, 1812, losses were particularly heavy during the retreat, when crossing the Berezina (right tributary of the Dnieper in Belarus). Of these, only a few hundred came back. Soldiers from Niederstetten and the surrounding area had certainly also lost their lives there.

 

Nachdem am 6.April 1814 Napoleon zur Abdankung gezwungen wurde, bekam Frankreich wieder eine Monarchie mit dem König Ludwig XVIII, der aus dem Exil zurückgekehrt war. Während dieser Zeit hatte er sich auch in Bartenstein aufgehalten und mit dem älteren Bruder des Fürsten Karl Joseph, Ludwig Aloys (1765 – 1829), dem späteren Marschall und Pair von Frankreich 1815 die Legion Hohenlohe geschaffen. Aus dieser und weiteren ähnlichen Formationen entstand 1830 die Fremdenlegion, die es ja heute noch in Frankreich gibt. Ihre Besonderheit ist die weiße Kopfbedeckung und der berühmte langsame Marschtritt mit genau 88 Schritten in der Minute - er stammt von der Legion Hohenlohe.4

After Napoleon was forced to abdicate on April 6, 1814, France regained a monarchy with King Louis XVIII, who had returned from exile. During this time he also stayed in Bartenstein and created the Hohenlohe Legion in 1815 with Prince Karl Joseph's older brother, Ludwig Aloys (1765 - 1829), who later became Marshal and Peer of France. From this and other similar formations, the Foreign Legion emerged in 1830, which still exists in France today. Their special feature is the white headgear and the famous slow marching step with exactly 88 steps per minute - it comes from the Hohenlohe Legion.4

 

In Frankreich wurde schon drei Wochen nach dem Sturm auf die Bastille, also am 4.August 1789, von der Nationalversammlung die Aufhebung des Feudalsystems und die Abschaffung verschiedener Standesprivilegien, in der Hauptsache die entschädigungslose Aufhebung der Frondienste und die Ablösung der Feudalrechte durch Geldentschädigung, sowie die Beseitigung des Zehnten der Geistlichkeit beschlossen..

In France, just three weeks after the storming of the Bastille, i.e. on August 4, 1789, the National Assembly approved the abolition of the feudal system and the abolition of various class privileges, mainly the abolition of compulsory labor without compensation and the replacement of feudal rights through monetary compensation, as well decided to eliminate the tithe of the clergy.

 

Nachdem die 1803 mediatisierten Fürstenhäuser durch die am 8.5.1815 unterzeichnete Bundesakte noch gewisse Vorrechte sowie die Bezeichnung Standesherren erhielten, zeigten die hohenloher Fürsten dennoch wenig Bereitschaft, auf ihre althergebrachten Adelsprivilegien zu verzichten und haben nun jeden erdenklichen Widerstand, vor allem den gegen die Abschaffung der Feudallasten, geleistet.

After the princely houses, mediatized in 1803, received certain privileges and the designation of class lords through the federal act signed on May 8, 1815, the Hohenlohe princes showed little willingness to forego their traditional aristocratic privileges and now have every conceivable resistance, especially against the abolition of the Feudal burdens paid.

 

In dem nun folgenden 33-jährigen Zeitabschnitt von 1815 bis 1848, der in den Geschichtsbüchern als „Vormärz“ bezeichnet wird (es wird auch das Jahr 1830 als Beginn genannt), gab es im Wesentlichen zwei Strömungen:

In the following 33-year period from 1815 to 1848, which is referred to in history books as “Vormärz” (the year 1830 is also mentioned as the beginning), there were essentially two currents:

 

Einerseits waren nun Kräfte am Werk, welche die früheren politischen und sozialen Zustände, wie sie vor der Französischen Revolution bestanden, wieder herstellen wollten. Das waren die Vertreter der Restauration aus den konservativen Adelskreisen.

On the one hand, there were now forces at work that wanted to restore the previous political and social conditions that existed before the French Revolution. These were the representatives of the Restoration from the conservative aristocratic circles.

 

Andererseits aber erhielt zur gleichen Zeit die Nationalbewegung und die Forderung nach einem liberalen Staat mit einer Verfassung, mit Presse-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit einen starken Auftrieb. Es waren vor allem die Studenten und die Vertreter des aufgeklärten Bürgertums.

On the other hand, at the same time, the national movement and the demand for a liberal state with a constitution, with freedom of the press, freedom of expression and freedom of assembly received a strong boost. It was primarily the students and representatives of the enlightened middle class.

 

Das musste zwangsläufig zwischen den beiden Lagern immer wieder zu versteckten und offenen Konfrontationen führen.

This inevitably led to repeated and open confrontations between the two camps.

 

Von diesem ständigen Widerstreit waren viele Bürger so sehr enttäuscht, dass sie den Obrigkeitsstaat fast widerspruchslos hinnahmen und sich lieber in ein beschauliches und behagliches Privatleben zurückzogen: die „Biedermeier“.

Many citizens were so disappointed by this constant conflict that they accepted the authoritarian state almost without objection and preferred to withdraw into a tranquil and comfortable private life: the “Biedermeier”.

 

Daneben gab es noch einen weiteren Personenkreis : Überheblich und eingebildet auf das, was man ist und hat, aber engherzig und engstirnig im Denken, Reden und Handeln: die „Spießbürger“.

There was also another group of people: arrogant and conceited about what they are and have, but narrow-minded and narrow-minded in their thinking, speaking and acting: the “philistines”

 

Nach französischen Vorbild sind auch in Baden die Feudalrechte und Standesprivilegien weitestgehend abgeschafft worden. In Württemberg hingegen wurde lediglich der Versuch unternommen, diese zu beschränken. Dazu wurde sogar 1816 ein königliches Dekret erlassen. Es war noch die Zeit des Spätfeudalismus, in welcher sich in ganz Deutschland ein tiefgreifender sozialer Wandel vollzog. Die Bevölkerungszahl wuchs zwischen 1815 und 1845 von 22 auf 35 Millionen an. Die Zahl der Arbeitsplätze und die Verdienstmöglichkeiten, vor allem in der Landwirtschaft und im Handwerk, nahm nicht entsprechend zu, wodurch die Bevölkerung nicht mehr ausreichend versorgt werden konnte. Ganz besonders betroffen wurden davon die ländlichen Regionen, zu denen ja auch das Fürstentum Hohenlohe zählt, wo damals die Industrie noch keine große Rolle gespielt hatte. Dadurch verschlechterten sich besonders die Lebensbedingungen der „kleinen Leute“ im abhängigen Arbeitsverhältnis immer mehr.

Following the French model, feudal rights and class privileges were largely abolished in Baden. In Württemberg, however, only an attempt was made to restrict this. A royal decree was even issued to this effect in 1816. It was still the time of late feudalism, in which profound social change took place throughout Germany. The population grew from 22 to 35 million between 1815 and 1845. The number of jobs and earning opportunities, especially in agriculture and crafts, did not increase accordingly, meaning that the population could no longer be adequately provided for. The rural regions were particularly affected, including the Principality of Hohenlohe, where industry did not yet play a major role at the time. As a result, the living conditions of the “little people” in dependent employment in particular deteriorated more and more.

 

Am 30.Oktober 1816 starb König Friedrich I von Württemberg. Erbe und Thronfolger wurde sein Sohn, der 35jährige König Wilhelm I. Er ist am 15.Juni 1864 nach 48 Jahren Regentschaft gestorben.

On October 30, 1816, King Frederick I of Württemberg died. His son, the 35-year-old King Wilhelm I, became the heir and heir to the throne. He died on June 15, 1864 after 48 years of reign.

 

Im Jahre 1816 wurde in Baden die erste deutsche Verfassung in Kraft gesetzt. 4 In den Jahren 1816/1817 herrschten extreme Witterungsverhältnisse, was wiederum Hungersnot und Teuerung brachte. Die Spätfolgen der napoleonischen Kriege waren auch noch spürbar.

The first German constitution was put into effect in Baden in 1816. 4 In the years 1816/1817 there were extreme weather conditions, which in turn brought famine and high prices. The long-term consequences of the Napoleonic Wars were still noticeable.

 

All dies hatte auch Auswirkungen auf das Leben in dem Fürstenstädtchen Niederstetten und in seiner unmittelbaren Umgebung.

All of this also had an impact on life in the princely town of Niederstetten and its immediate surroundings.

 

Im Jahre 1817 sind nachweislich auch Niederstettener ausgewandert. Darunter war vermutlich auch der Onkel von Johann Georg Bauer5

All of this also had an impact on life in the princely town of Niederstetten and its immediate surroundings.

 

Ebenfalls wurde im Jahre 1817 versucht, die ersten Schritte zur Abschaffung der Frondienste und der Abgaben zu unternehmen.

In 1817 an attempt was also made to take the first steps towards abolishing compulsory labor and taxes.

 

„Im Gegensatz zu den Altwürttembergern hatten die Untertanen der hohenlohischen Fürsten an diese, zusätzlich zu den Staatssteuern, noch grundherrliche Abgaben zu leisten. Was dabei besonders erbitterte, war, dass diese Lasten nicht nach Einzelposten rechtlich fixiert waren, und die herrschaftlichen Grundbücher nicht offen lagen, die Forderungen also durchaus willkürlich gehandhabt werden konnten.“

 “In contrast to the Old Württembergers, the subjects of the Hohenloh princes had to pay manorial taxes to them in addition to state taxes. What was particularly bitter was that these burdens were not legally fixed on an individual basis and the manorial land registers were not open, so the claims could be handled arbitrarily.

 

Aber in den Territorien der einstigen herrschenden Fürstenhäuser blieben alle Bemühungen ohne Erfolg, Bei der Bevölkerung stieß dies nicht nur auf allgemeines Unverständnis. Viele erfüllte es mit Kummer und Sorge.

But in the territories of the former ruling princely houses all efforts were unsuccessful. This was not only met with general incomprehension among the population. It filled many with grief and worry.

 

Am 18.und 19.Oktober 1817 fand auf der Wartburg bei Eisenach/Thüringen die studentische Feier zum Gedächtnis der Völkerschlacht bei Leipzig statt, die sich auf den Tag genau vier Jahre zuvor ereignet hatte. Hier waren zum ersten Mal die Farben Schwarz-Rot-Gold als Symbol der deutschen Einheits- und Freiheitsbewegung zu sehen. (Es waren die Uniformfarben der Lützowschen Schwarzen Jäger in den Befreiungskriegen 1813/1814.)

On October 18th and 19th, 1817, the student celebration commemorating the Battle of the Nations near Leipzig took place at the Wartburg near Eisenach/Thuringia, which had occurred exactly four years earlier to the day. Here the colors black, red and gold were seen for the first time as a symbol of the German unity and freedom movement. (These were the uniform colors of the Lützow Black Hunters in the wars of liberation in 1813/1814.)

 

Um diese Zeit herum hatte mein Ururgroßvater Johann Leonhard Bauer seinen Wohnsitz von Herrenzimmern nach Niederstetten verlegt. Er bezog in der heutigen Hauptstraße das Haus Nr.20 (Ecke Hauptstraße/Römergasse6 ) gegenüber dem Gasthof „Zur Post“ (heute Chinarestaurant) und war hier in einer verhältnismäßig günstigen Geschäftslage und dazu in einer Mittelpunktgemeinde der Region. (In diesem Haus ist heute ein Antiquariatsgeschäft.) Er hatte einen Webstuhl mitgebracht und übte das Handwerk eines Leinenwebers aus. Diesen Beruf hatte er auf der Wanderschaft erlernt. Schon nach kurzer Zeit gelang es ihm, einen festen Kundenkreis aufzubauen, zu dem vor allem auch die fürstliche Familie und deren Bedienstete gehörten. Auch deren Vertrauen und Wertschätzung konnte er gewinnen.

Around this time, my great-great-grandfather Johann Leonhard Bauer moved his residence from Herrenzimmer to Niederstetten. He moved into house number 20 (corner of Hauptstrasse/Römergasse6) on what is now Hauptstrasse, opposite the “Zur Post” inn (today a Chinese restaurant) and was in a relatively favorable business location and in a central community of the region. (This house is now an antique store.) He had brought a loom with him and practiced the trade of a linen weaver. He learned this profession while traveling. After a short time, he managed to build up a solid circle of customers, which primarily included the royal family and their servants. He was also able to gain their trust and appreciation.

 

Danach übernahm er noch von einem Verwandten eine kleine Landwirtschaft mit einem Weinberg im Gewann „Sperrlohe“, dazu noch die hierfür notwendigen Gerätschaften, wie z.B. eine Traubenpresse, zwei Weinfässer und dergl.. Damit hatte er für die damaligen Verhältnisse eine auskömmliche Existenzgrundlage.

He then took over a small farm from a relative with a vineyard in the “Sperrlohe” area, as well as the necessary equipment, such as a grape press, two wine barrels and the like. This gave him an adequate basis for existence given the conditions at the time.

 

Am 31.März.1820 wurde sein erster Sohn Johann Leonhard und am 10.August 1822 der zweite, Johann Georg, geboren. Letzterer wurde im Jahre 1835 in der St. Jakobskirche in Niederstetten konfirmiert. Seltsamerweise gibt es in den Kirchenbüchern keinen Eintrag, wann und wohin er seinen Wohnsitz verlegt hatte, bzw. wann und wo er verstorben ist. Auch beim Stadtschultheißenamt Niederstetten oder beim Oberamt Gerabronn hatte er sich nicht abgemeldet und keine Bürgerverzichtserklärung abgegeben.(Doch später mehr dazu).

His first son Johann Leonhard was born on March 31, 1820 and the second, Johann Georg, on August 10, 1822. The latter was confirmed in 1835 in the St. Jakobskirche in Niederstetten. Strangely enough, there is no entry in the church records as to when and where he moved his residence, or when and where he died. He had also not deregistered from the Niederstetten city school district office or the Gerabronn district office and had not submitted a declaration of renunciation of citizenship (but more on that later).

 

Die Aufhebung der Pressefreiheit und die Änderung des Wahlrechts führte am 26.Juli 1830 zur Julirevolution in Paris und zum Rücktritt von König Karl X.. Sein Nachfolger wurde der Bürgerkönig Louis Philippe.


The abolition of freedom of the press and the change in voting rights led to the July Revolution in Paris on July 26, 1830 and the resignation of King Charles X. His successor was the citizen king Louis Philippe.

 

Von diesem Ereignis gingen entscheidende Impulse auf die freiheitlichen nationalen Strömungen in Deutschland aus, so dass hier immer größere Teile der Bevölkerung von einer politischen Aufbruchstimmung ergriffen wurden, die im Laufe der Jahre noch eskalieren sollte. So versammelten sich vom 27.bis zum 30. Mai 1832 mehr als 20 000 Menschen, neben Studenten auch Bürger und Handwerker, auf der Kastenburg bei Hambach an der Weinstraße in der Pfalz. In Reden wurde ein gemeinsamer Nationalstaat mit einer demokratischen Verfassung gefordert, d.h. Presse- und Versammlungsfreiheit, Abschaffung der Adelsprivilegien (Feudalwesen) etc.. Dabei wurden auch die Farben Schwarz Rot-Gold wieder präsentiert.

This event gave decisive impetus to the liberal national currents in Germany, so that ever larger parts of the population were gripped by a political spirit of optimism that would escalate over the years. From May 27th to 30th, 1832, more than 20,000 people, including students as well as citizens and craftsmen, gathered at the Kastenburg near Hambach on the Weinstrasse in the Palatinate. Speeches called for a common nation state with a democratic constitution, i.e. freedom of the press and freedom of assembly, abolition of aristocratic privileges (feudal system), etc. The colors black, red and gold were also presented again.

 

Obwohl die Staatsgewalt dagegen mit aller Schärfe vorging, hat sich von da ab in Deutschland die Demokratiebewegung so vertieft, dass sie vor den Toren des Fürstenstädtchens Niederstetten nicht mehr Halt machte Hier fand sie gerade beim Besitz- und Bildungsbürgertum offene Ohren. Dazu haben Demagogen, die durch das Land zogen oder auch Handwerksgesellen, die auf der Wanderschaft waren, bzw. wieder nach Hause gekommen sind, viel beigetragen.7

Although the state took strong action against it, from then on the democratic movement in Germany deepened so much that it no longer stopped at the gates of the princely town of Niederstetten. Here it found open ears, especially among the wealthy and educated middle class. Demagogues who traveled through the country or journeymen who were on the move or returned home contributed a lot to this.7

 

Auch Johann Georg Bauer und sein um zwei Jahre älterer Bruder, der wie sein Vater Johann Leonhard hieß, dürften von diesen damals noch mehr latenten Zeitströmungen einiges mitbekommen haben, obwohl sie damals noch zur Schule gegangen sind.

Johann Georg Bauer and his brother, who was two years older than him and who was called Johann Leonhard like his father, were probably also aware of some of these more latent currents of the time, even though they were still going to school at the time.

 

Am 14.Februar 1830 starb der Vater. Die Mutter heiratete nochmals. Ihr zweiter Ehemann hieß Kutroff.

The father died on February 14, 1830. The mother married again. Her second husband was called Kutroff.

 

Nach dem Schulbesuch erlernten die Söhne das Leineweberhandwerk und arbeiteten daneben noch in der eigenen Landwirtschaft

After attending school, the sons learned the trade of linen weaving and also worked on their own farm

 

Als im Jahre 1835 auch der zweite Ehemann starb, musste die Mutter mit fremden Arbeitskräften und mit den beiden Söhnen und einer 10 Jahre alten Tochter alle anfallenden Arbeiten erledigen.


When the second husband died in 1835, the mother had to do all the work with outside labor and with her two sons and a 10-year-old daughter.

Daneben wurde vor allem der Sohn Johann Georg immer wieder zum Frondienst für den Fürsten herangezogen. (Das sind Hand- und Spanndienste, die unentgeltlich geleistet werden mussten.) Johann Georg tat dies nur sehr widerwillig!

In addition, his son Johann Georg in particular was repeatedly called upon to do forced labor for the prince. (These are manual and clamping services that had to be provided free of charge.) Johann Georg only did this very reluctantly!

 

Erwartungsgemäß mussten sich zwischen den Frondienstleistenden und der Standesherrschaft Reibungsflächen bilden. Zwar konnte der Fürst wegen seiner herausgehobenen Stellung Milde üben. Seine Beamten aber hatten Einnahmeansätze des Jahresetats zu erfüllen und möglicherweise noch zu übertreffen. Das führte dazu, dass die Abgaben für die einzelnen Feudalpflichtigen je nach Betrieb unterschiedlich hoch und sehr oft auch willkürlich festgesetzt wurden.

As expected, areas of friction had to arise between those doing forced labor and the class rulers. Because of his prominent position, the prince was able to exercise leniency. However, his officials had to meet and possibly exceed the revenue estimates of the annual budget. This meant that the taxes for individual feudal owners were set at different levels depending on the company and were often set arbitrarily.

 

Anderseits war die Standesherrschaft der größte Arbeitgeber im Ort und in der Region, die auch das Handwerk mit Aufträgen versorgte.

On the other hand, the class was the largest employer in the town and region, which also provided the craft with orders.

 

Am 6.April 1838 verstarb Fürst Karl-Joseph nach kurzer Krankheit. Er war am 12.Dezember 1766 in Bartenstein geboren. Sein Nachfolger wurde Fürst Ludwig (geb. am 5.Juni 1802 und gest. am 22.August 1850). Da sein Vetter Fürst Karl-August-Theodor zu Hohenlohe– Bartenstein (geb.1788) am 12.August 1844 in Mergentheim ohne Erben und Nachfolger gestorben ist, fiel die fürstliche Standesherrschaft Hohenlohe Bartenstein an den nächsten Magnaten des Hauses in der Erbfolge, an Fürst Ludwig zu Hohenlohe – Jagstberg.

On April 6, 1838, Prince Karl-Joseph died after a short illness. He was born on December 12, 1766 in Bartenstein. His successor was Prince Ludwig (born June 5, 1802 and died August 22, 1850). Since his cousin Prince Karl-August-Theodor zu Hohenlohe-Bartenstein (born 1788) died on August 12, 1844 in Mergentheim without heirs or successors, the princely rule of Hohenlohe Bartenstein passed to the next magnate of the house in the line of succession, Prince Ludwig zu Hohenlohe – Jagstberg.

 

Er verließ Schloss Haltenbergstetten in Niederstetten und zog mit seiner Familie in das zuvor in wohnlichen Zustand versetzte Schloss Bartenstein, wo er sich die meiste Zeit aufhielt, was wiederum bedeutete, dass in Niederstetten die fürstlichen Bediensteten in vieler Hinsicht freie Hand hatten.

He left Wartenbergstetten Castle in Niederstetten and moved with his family to Bartenstein Castle, which had previously been made comfortable, where he stayed most of the time, which in turn meant that the princely servants in Niederstetten had a free hand in many respects.

 

Und da amtierte in Niederstetten ein Domänenrat und Fronvogt Gessler. Er war wegen seiner Unnachgiebigkeit und arroganten Sturheit berüchtigt und sehr unbeliebt. Da der Fürst die meiste Zeit abwesend war, hatte Gessler ein leichtes Spiel mit der Einwohnerschaft von Niederstetten und Umgebung.

And there was a domain councilor and bailiff Gessler in office in Niederstetten. He was notorious and very unpopular for his intransigence and arrogant stubbornness. Since the prince was absent most of the time, Gessler had an easy time with the residents of Niederstetten and the surrounding area.

 

(Ob dieser Fronvogt von jenem Reichsvogt gleichen Namens und dessen Schicksal in der „hohlen Gasse nach Küssnacht“, wie es von Friedrich Schiller in seinem Schauspiel „Wilhelm Tell“ so treffend dargestellt wurde, etwas gewusst hat?)


(Whether this bailiff knew anything about the Reichsvogt of the same name and his fate in the “hollow alley to Küssnacht”, as it was so aptly portrayed by Friedrich Schiller in his play “Wilhelm Tell”?)

In den dreißiger Jahren des 19.Jahrhunderts stieg die Zahl der Männer und Frauen, die keine regelmäßige Arbeit finden konnten und sich als Häcker, Taglöhner, Dienstboten, Gelegenheitsarbeiter, etc. durchschlagen mussten, immer mehr. Gerade jene hatten unter dem Feudalwesen besonders zu leiden.

In the 1930s [surely 1830s DB], the number of men and women who were unable to find regular work and had to make ends meet as hackers, day laborers, servants, casual workers, etc. increased more and more. It was precisely those who suffered particularly under the feudal system.

 

Erschwerend kam noch hinzu, dass etwa ab 1820 durch die Erfindung von Maschinen billige Massenfertigung erfolgen konnte, was im ländlichen Raum manche Berufe besonders hart traf, beispielsweise den Nagelschmied durch die Drahtstiftmaschine Dies hatte auch hie und da schon zu Unruhen geführt, wie 1844 der Weberaufstand in Schlesien wegen unzulänglichen Lohnverhältnissen.

What made things even more difficult was that from around 1820 onwards, the invention of machines made it possible to produce cheap mass production, which hit some professions particularly hard in rural areas, for example the nailsmith due to the wire pin machine. This had also led to unrest here and there, such as the weavers' revolt in 1844 in Silesia because of inadequate wages.

 

So hatten immer mehr Menschen jetzt keine andere Wahl als auszuwandern.

So more and more people now had no choice but to emigrate.

 

Etwa um das Jahr 1840 herum zog es den älteren Bruder Johann Leonhard Bauer in die Ferne; er entschloss sich auf die Wanderschaft (Walz) zu gehen, was zu jener Zeit bei den Handwerksgesellen üblich war. Zu Fuß kam er bis nach Berlin, dann nach Plauen im Vogtland/Sachsen, wo es damals schon eine bedeutende Textilindustrie gab. Von dort musste er vorzeitig wieder zurück, denn er sollte sich zur Musterung für das Militär stellen. Besonders an die Zeit in Berlin hat er sich bis ins hohe Alter gerne erinnert. Während seiner Abwesenheit wurde die anfallende Arbeit von der Mutter, von der jüngeren Schwester und nicht zuletzt von Johann Georg verrichtet. Je nach Bedarf wurden auch fremde Kräfte zeitweise eingestellt.

Around 1840, the older brother Johann Leonhard Bauer moved away; He decided to go traveling (Walz), which was common for journeymen at that time. He came on foot to Berlin, then to Plauen in Vogtland/Saxony, where there was already an important textile industry at that time. He had to return from there early because he was supposed to be drafted into the military. He particularly fondly remembered his time in Berlin well into his old age. During his absence, the work required was carried out by his mother, his younger sister and, last but not least, Johann Georg. Depending on requirements, external staff were also hired temporarily.

 

1847 hatte dann Johann Leonhard geheiratet. Seine Frau kam aus Dunzendorf. Johann Ludwig Bauer musste nun an seine eigene Zukunft denken, und die war wie bei vielen seiner Altersgenossen äußerst prekär.

Johann Leonhard married in 1847. His wife came from Dunzendorf. Johann Ludwig Bauer now had to think about his own future, and like many of his peers, it was extremely precarious.

 

Nach der Beschreibung für das Oberamt Gerabronn von 1847 hatte Niederstetten 1693 Einwohner (davon waren 217 jüdische Mitbürger, das ist ein Bevölkerungsanteil von 12,8%!). Die Anzahl der Gebäude betrug 547. In der Stadt waren 4 Mahl-, 2 Öl-, 1 Schneide- und 1 Lohmühle, 1 Walke, 1 Hanfreibe, 1 Schleifmühle und 1 Gipsmühle vorhanden. (Im Vergleich dazu hatte der Ort Kornwestheim damals nur 1371 Einwohner.)

According to the description for the Oberamt Gerabronn from 1847, Niederstetten had 1,693 inhabitants (of which 217 were Jewish citizens, that is a population share of 12.8%!). The number of buildings was 547. In the city there were 4 grinding mills, 2 oil mills, 1 cutting mill, 1 tan mill, 1 fulling mill, 1 hemp grater, 1 grinding mill and 1 plaster mill. (In comparison, the town of Kornwestheim only had 1,371 inhabitants at the time.)

 

Durch Elementargewalt („ein Ungewitter“) wurde am 12. Mai 1844 in der heimischen Landwirtschaft großer Schaden angerichtet.

On May 12, 1844, natural forces (“a storm”) caused great damage to local agriculture.

 

In den Jahren 1846 bis 1848 kam es wieder zu einer starken Verteuerung der Nahrungsmittel, und unter den Armen im Ort gab es nicht wenige, die jetzt unter Hunger und Kälte zu leiden hatten

In the years 1846 to 1848 food prices rose sharply again, and there were quite a few of the local poor who now had to suffer from hunger and cold

 

Auch die Naturalabgaben (der Zehnte) trafen die bäuerliche Bevölkerung besonders hart. Die Zehntpflicht erstreckte sich auf fast alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse. Zum großen und kleinen Zehnten und dem Weinzehnten kamen noch bedeutende jährliche Umlagen an das Oberamt und an die Gemeinde. All dem „wird hauptsächlich die sich neuerlich bemerkbar machende Verarmung eines Theils der Bevölkerung bei Abnahme des Wohlstandes auch der übrigen zugeschrieben.8 “ Das hatte auch dazu geführt, dass gerade die jungen Leute immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt geraten waren.

Taxes in kind (tithes) also hit the farming population particularly hard. The tithe obligation extended to almost all agricultural products. In addition to the large and small tithes and the wine tithe, significant annual contributions were made to the higher office and the community. All of this “is mainly attributed to the newly noticeable impoverishment of part of the population while the prosperity of the rest also declined.8 “ This also led to young people in particular repeatedly coming into conflict with the law.

 

Während der Wintermonate musste in der Zehntscheuer, neben dem Gasthaus zum Adler in der Langen Gasse, der Flegeldrusch im Frondienst durchgeführt werden. Das war eine schwere und mühsame Arbeit bei kärglicher Verpflegung. Die drückende Not trieb gelegentlich manchen dazu, vor Arbeitsende und von der Aufsicht unbewerkt, ein paar Handvoll Getreidekörner in seine weiten und hohen Stiefel zu füllen, um den Angehörigen etwas Essbares mitzubringen.

During the winter months, the flail threshing had to be carried out as forced labor in the tithe barn, next to the Gasthaus zum Adler in Langen Gasse. It was hard and tedious work with meager provisions. The pressing need occasionally drove some people, before the end of work and without supervision, to fill a few handfuls of grain into their wide, high boots in order to bring something to eat for their relatives.

 

Am Sonntag, den 14.Februar 1847 wurde vom Verwaltungsaktuar Bumüller zu einer Versammlung um 14.00 Uhr in den Gasthof zum Lamm in Schrozberg eingeladen. Es ging dabei um die Ablösung noch bestehender Grundlasten, also um das Feudal- und Fronwesen. Drei Tage nach Bekannt werden des Termins sprach der königliche Oberamtmann Hoyer aus Gerabronn das Verbot der Versammlung aus, „weil die gesetzlich nöthige oberamtliche Erlaubnis weder nachgesucht noch ertheilt wurde“.9

On Sunday, February 14, 1847, the administrative clerk Bumüller was invited to a meeting at 2 p.m. at the Gasthof zum Lamm in Schrozberg. It was about replacing the basic burdens that still existed, i.e. the feudal and serf system. Three days after the date was announced, the royal chief bailiff Hoyer from Gerabronn banned the meeting “because the legally required official permission was neither sought nor granted”.9

 

Das Stichwort „Ablösung“, d.h. Abschaffung der restlichen Feudallasten, war gegeben und sollte fortan die Gemüter der Einheimischen noch sehr in Wallung bringen. Da die Wirtschaft in einer tiefen Krise steckte, verschärften sich die politischen Protestbewegungen im Lande. Zum standesherrschaftlichen Lebensstil, d.h. feudale Hofhaltung und kostspielige Repräsentationen, wollten die Bürger nichts mehr beitragen.

The keyword “replacement”, i.e. abolition of the remaining feudal encumbrances, was given and from then on was to set the locals’ minds aflutter. Since the economy was in deep crisis, political protest movements in the country intensified. The citizens no longer wanted to contribute to the aristocratic lifestyle, i.e. feudal court keeping and expensive representations.

 

In diesen Jahren entstanden aus dem Zeitgeist heraus, wie auch als Ausdruck des Volksempfindens Protestlieder, die zum Handeln ermutigen sollten. So begann das seit kurzem kursierende Heckerlied: „Dreiunddreißig Jahre währte die Knechtschaft schon.....“, was zeigt, mit welcher Eindringlichkeit gegen die schlechten Zeiten und gegen die staatliche Ordnung gewettert wurde. Ein entsprechendes Lied, das gewissermaßen einen Aufruf zum eigenständigen Handeln enthielt („Tun wir was dazu“) dürfte in Niederstetten bekannt gewesen sein.

During these years, protest songs emerged out of the zeitgeist and as an expression of popular sentiment that were intended to encourage action. This is how the Heckerlied, which has recently been circulating, began: “The servitude had already lasted thirty-three years...,” which shows how emphatically people railed against the bad times and against the state order. A corresponding song, which contained a call to independent action (“Let's do something about it”), was probably known in Niederstetten.

 

In dem folgenden ansprechenden, wie auch couragierten Lied, das im Grunde genommen ein Appell an die redlichen Biedermänner im Lande sein sollte und deshalb auch weithin bekannt gewesen sein dürfte, wurde die damalige Stimmungslage sehr treffend zum Ausdruck gebracht, und es hat deshalb Unzähligen aus dem Herzen gesprochen. Wegen der bekannten und eingängigen Melodie haben vielleicht schon die Mitglieder des Liederkranzes Niederstetten, der ja 1841 gegründete worden ist, das nachfolgende Lied in den Gasthäusern oder bei Festveranstaltungen und anderen gegebenen Anlässen zum Besten gegeben.

In the following appealing and courageous song, which was basically intended to be an appeal to the honest, honest men in the country and was therefore probably widely known, the mood at the time was very aptly expressed, and it therefore appealed to countless people hearts spoken. Because of the well-known and catchy melody, the members of the Liederkranz Niederstetten, which was founded in 1841, may have performed the following song in inns or at festivals and other special occasions.

 

Tun wir. tun wir was dazu!

We do. let's do something about it!

 

1. Ob wir rote, gelbe Kragen, Helme oder Hüte tragen Stiefel tragen oder Schuh, oder ob wir Röcke nähen und zu Schuhen Drähte drehen: Das tut, das tut nichts dazu

1. Whether we wear red, yellow collars, helmets or hats, wear boots or shoes, or whether we sew skirts and twist wires to make shoes: That does, that doesn't matter

 

2. Ob wir können präsidieren oder müssen Akten schmieren, ohne Rast und ohne Ruh; ob wir just Collegia lesen oder aber binden Besen: Das tut, das tut nichts dazu.


2. Whether we can preside or have to smear files, without rest and without rest; whether we are just reading Collegia or tying brooms: that doesn't matter, that doesn't matter.

3. Ob wir stolz zu Rosse reiten, oder ob zu Fuß wir schreiten, fürbaß unserem Ziele zu; ob uns Kreuze vorne schmücken oder Kreuze hinten drücken: Das tut, das tut nichts dazu.


3. Whether we ride proudly on horseback or whether we walk on foot, it depends on our goal; whether crosses adorn us in front or crosses press us behind: that does, that doesn't do anything.

4. Aber ob wir Neues bauen oder Altes nur verdauen, wie das Gras verdaut die Kuh; ob wir in der Welt was schaffen oder nur die Welt begaffen: Das tut , das tut was dazu.

 

4. But whether we build new things or merely digest old things, as the grass digests the cow; whether we create something in the world or just gaze at the world: that does something, that does something.

 

5. Ob im Kopfe etwas Grütze Und im Herzen Licht und Hitze, dass es brennt in einem Nu; oder ob wir hinter Mauern stets im Dunklen träge kauern: Das tut , das tut was dazu

5. Whether there is some grit in the head and light and heat in the heart, that it burns in an instant; or whether we always crouch lazily behind walls in the dark: that does, that does something

 

6. Ob wir rüstig und geschäftig , wo es gilt zu wirken kräftig, immer tapfer greifen zu; oder ob wie schläfrig denken: Gott wird’s wohl im Schlafe schenken! Das tut, das tut was dazu.

6. Whether we are active and busy, where it is important to appear strong, we always take action bravely; or whether you think sleepily: God will give it to you in your sleep! That does, that does something.

 

7. Drum ihr Bürger, drum ihr Brüder, alle eines Bundes Glieder, was auch jeder von uns tu --- alle, die dies Lied gesungen, so die Alten wie die Jungen, tun wir, tun wir was dazu!

7. Therefore you citizens, therefore you brothers, all members of one covenant, whatever each of us do - all who sang this song, both the old and the young, let us do something about it!

 

Text um 1845 Melodie 1719 („Prinz Eugen der edle Ritter“)10) 11

Text around 1845 Melody 1719 (“Prince Eugen the Noble Knight”)10) 11

1 comment:

  1. Excellent work. Brings history alive. The failure of the1848 revolution, the vicious response of the feudel aristocracy to the bourgeois democratic demands drove thousands to migrate perhaps even the Streitberg's. Great research

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