Sunday, 3 December 2023

The memorable event on March 5th and 6th, 1848 in Niederstetten (3)

 This would be a very long post if I put all this document into this.  So I have split it into three.  I have copied and translated an article about Niederstetten in 1848 by Friedrich Mündlein.  Here is some information about F Mundlein

https://www.fnweb.de/orte/niederstetten_artikel,-niederstetten-creglingen-im-loewen-wurde-geschichte-gemacht-_arid,563389.html


C. Das Nachspiel

C. The aftermath

 

Nach diesen ungewöhnlichen Umtrieben während der Nachtstunden dürfte im Ort weiterhin eine gespannte Atmosphäre geherrscht haben

After these unusual activities during the night, there was probably still a tense atmosphere in the town

 

Bei allen Obrigkeiten, angefangen beim Standesherren und Stadtschultheißen in Niederstetten, beim Oberamtmann in Gerabronn, wie auch beim Königlichen Amtsgericht in Langenburg und dem Königlichen Landgericht und der Königlichen Regierung für den Kocher- und Jagstkreis in Ellwangen bis zum Königlichen Ministerium in Stuttgart war jetzt höchste Alarmstufe gegeben.

All authorities, from the mayor and city mayor in Niederstetten, to the mayor in Gerabronn, as well as the Royal District Court in Langenburg and the Royal Regional Court and the Royal Government for the Kocher and Jagst District in Ellwangen to the Royal Ministry in Stuttgart, were now on the highest alert level given.

 

Sie alle mussten jetzt befürchten, dass in den kommenden Tagen etwas Ungewolltes passiere. Die Abneigung der Einwohnerschaft gegenüber dem Geldeintreiber der Standesherrschaft Gessler war so unbändig, dass dieser durch die Staatsgewalt kaum mehr Einhalt geboten werden konnte. Jetzt mussten die genannten Institutionen alles daran setzen, dass sie auch Herr in der verzwickten Lage blieben.

They all had to fear that something unwanted would happen in the coming days. The population's aversion to the estate's money collector, Gessler, was so irrepressible that the state could hardly stop him. Now the institutions mentioned had to do everything they could to ensure that they remained on top of the tricky situation.

 

Schon am frühen Morgen wurde mit den entsprechenden Vorarbeiten zum Viehmarkt begonnen und auch Vorkehrungen für eventuell unvorhergesehene Schwierigkeiten waren notwendig.

The relevant preparatory work for the livestock market began early in the morning and precautions were also necessary for any unforeseen difficulties.

 

War in der vergangenen Nacht eine Vielzahl von Menschen auf den Beinen, so dürften sich - bedingt durch den Viehmarkt – am Nachmittag des 6.März noch weitaus mehr auf den Straßen und Gassen, sowie in den Gasthäusern aufgehalten haben. Diese waren mit Pferdefuhrwerken, Kutschen, Chaisen aus den Dörfern, Weilern und Einzelhöfen der näheren und weiteren Umgebung geströmt. Ihre Pferde brachten sie noch in die Stallungen der Gastwirte. Dann konnte der Viehauftrieb beginnen und das Leben und Treiben auf den Straßen und Gassen, sowie in den Gasthäusern seinen gewohnten Gang nehmen

While a large number of people were on their feet last night, due to the cattle market, there were probably even more on the streets and alleys and in the inns on the afternoon of March 6th. They came in horse-drawn carts, carriages and chaises from the villages, hamlets and individual farms in the surrounding area. They brought their horses to the innkeepers' stables. Then the cattle drive could begin and life and activity on the streets and alleys, as well as in the inns, could resume its usual course

 

Ebenfalls am 6.März 1848 nachmittags 15.00 Uhr lief die Anzeige des Oberamtmannes an das Untersuchungsgericht (beim Oberamtsgericht Langenburg) ein, worauf sich dieses umgehend an Ort und Stelle (nach Niederstetten) begab und um 18.00 Uhr dort eintraf .“Sofort wurde von Seiten des Untersuchungsrichters mit dem mit der polizeilichen Untersuchung noch beschäftigten Oberamtmann mündliche Rücksprache genommen und von demselben die Erklärung gegeben, dass die polizeiliche Untersuchung noch nicht beendet sei. Diese (Akte) aber sogleich nach deren Schluss dem Gericht übergeben werde.“ Das geschah am 6.März 1848 nach 23.00 Uhr.24

Also on March 6, 1848, at 3 p.m. in the afternoon, the chief bailiff's report was received by the investigative court (at the Langenburg Higher District Court), whereupon it immediately went to the location (to Niederstetten) and arrived there at 6 p.m. "Immediately, the The examining judge had an oral consultation with the senior magistrate who was still involved in the police investigation and he explained that the police investigation had not yet been completed. This (act) will be handed over to the court immediately after its conclusion." This happened on March 6, 1848 after 11 p.m. 24

 

Um die ganze Problematik der Ermittlungen in den folgenden Tagen und Wochen verstehen zu können, muss man sich zunächst einmal die örtlichen Gegebenheiten in der damaligen Zeit vergegenwärtigen:

In order to understand the entire problem of the investigations in the following days and weeks, one must first understand the local conditions at the time:

 

Zum Fürstenschloss nach Bartenstein waren es 6 km, zum Oberamt nach Gerabronn 20 km, zum Oberamtsgericht nach Langenburg weitere 6 km, zum Landgericht nach Ellwangen 60 km und bis zur Regierung nach Stuttgart über 100 km. Es gab weder ein Telefon, noch eine Telegrafie, keine Eisenbahn und keine Elektrizität für die Beleuchtung in den Häusern und für die Straßen und Gassen. Ein schnelles Fortbewegungsmittel waren die Postkutschen, die auch die Brief- und Kurierpost besorgten und eventuell noch schnelle Reitpferde für Eilboten

It was 6 km to the prince's castle in Bartenstein, 20 km to the Oberamt in Gerabronn, another 6 km to the Oberamtsgericht in Langenburg, 60 km to the regional court in Ellwangen and over 100 km to the government in Stuttgart. There was no telephone, no telegraphy, no railway and no electricity for lighting in the houses and for the streets and alleys. A fast means of transport was the stagecoach, which also carried letters and courier mail and possibly fast riding horses for express messengers

 

Es stellte sich nun heraus, dass der Oberamtsrichter dieser sehr heiklen Situation nicht gewachsen war .So musste einem Assessor Kern die schwierige, anstrengende und gefahrvolle Aufgabe der Befragung übertragen werden.

It now turned out that the senior district judge was not up to this very delicate situation. So an assessor Kern had to be assigned the difficult, strenuous and dangerous task of questioning.

 

Es ist schon bewerkenswert, wie schnell doch die einzelnen Übeltäter aufgespürt und auch dingfest gemacht werden konnten. Da sich der ganze heillose Aufruhr in einer wohl stockfinsteren Nacht abgespielt hatte, waren es nicht nur Augen-, sondern ebenso Ohrenzeugen , die den Ermittlern die Namen der Übeltäter hinterbracht haben.

It is remarkable how quickly the individual perpetrators were tracked down and arrested. Since the entire turmoil took place on a pitch-dark night, it was not just eyewitnesses but also earwitnesses who provided the investigators with the names of the perpetrators.

 

Trotz der angespannte Stimmung im Ort wurde mit der Vernehmung der Täter und Zeugen am 7.März begonnen. Den Vorsitz führte Justizassessor Kern, die Beisitzer waren die Herren Bach und Greiner.

Despite the tense atmosphere in the town, the interrogation of the perpetrators and witnesses began on March 7th. Justice Assessor Kern chaired the meeting and the assessors were Messrs. Bach and Greiner.

 

In Gewahrsam und ins Verhör genommen wurde zunächst Jacob Pflüger. In ihm sah man den Rädelsführer. Er war 30 Jahre alt, von großer und kräftiger Gestalt, beim Militär hatte er es zum Unteroffizier gebracht. Von ihm muss etwas Charismatisches ausgegangen sein. Als Rotgerber arbeitete er in der Schneidmühle der Familie Streitberger in der Oberstettener Straße 10, wo auch sein Vater im Sägewerk tätig war. (Heute ist dort das Sportheim des Turnvereins 1862). Ob zu dem um ein Jahr älteren Rotgerber und Lederhändler Friedrich Reger (1817-1899) aus Künzelsau Kontakte bestanden, ist nicht nachweisbar.25 Es ist durchaus denkbar, dass Jakob Pflüger die weiteren Beteiligten zu diesen strafbaren Handlungen angestachelt hatte. Am ehesten dürfte dieses auf Christian Glock, Dienstknecht, ledig, unehelichen Sohn der Katharina Glock, 19 Jahre alt, zutreffen, der vermutlich auf der anderen Straßenseite, Oberstettener Straße 5, (heute Haus von Theodor Schmitt) wohnte. Er war als liederlicher Bursche bekannt So sagte er bei der Vernehmung: „Ich weiß von nichts, weil ich so besoffen war.“ Weitere Beschuldigte waren der Gürtler Christoph Schaffert, ein Revolutionär, Conrad Friedrich, Johann Friedrich, sowie Andreas Pflüger, alle aus Niederstetten. Gemäß der „Acte des Criminal-Senats des Königlichen Gerichtshofes für den Jagstkreis“ wurde vor allem ihnen Brandstiftung zur Last gelegt. Einige davon waren vorher schon mit dem Gesetz in Konflikt geraten.

Jacob Pflueger was initially taken into custody and interrogated. He was seen as the ringleader. He was 30 years old, tall and strong, and had become a sergeant in the military. There must have been something charismatic about him. As a red tanner, he worked in the Streitberger family's cutting mill at Oberstettener Strasse 10, where his father also worked in the sawmill. (Today the sports center of the 1862 gymnastics club is there). It cannot be proven whether there were contacts with the red tanner and leather dealer Friedrich Reger (1817-1899) from Künzelsau, who was one year older.25 It is entirely conceivable that Jakob Pflüger incited the other people involved to commit these criminal acts. This is most likely to apply to Christian Glock, servant, single, illegitimate son of Katharina Glock, 19 years old, who probably lived on the other side of the street, Oberstettener Straße 5, (today Theodor Schmitt's house). He was known as a dissolute fellow. So he said during the interrogation: "I don't know anything because I was so drunk." Other accused were the Gürtler Christoph Schaffert, a revolutionary, Conrad Friedrich, Johann Friedrich, and Andreas Pflüger, all from Niederstetten . According to the “Act of the Criminal Senate of the Royal Court for the Jagstkreis”, they were primarily charged with arson. Some of them had already been in trouble with the law.

 

Später wurden vorgeladen: Christa Glock, Michael Schneider, Johann von der Heyd, Martin Pflüger, Conrad Friedrich, Landjäger Günther, Vollmer (Vorname unleserlich), Friedrich Schumm, Barbara Bullinger, Sophie Glock und Barbara Hachtel u.a..

The following were later summoned: Christa Glock, Michael Schneider, Johann von der Heyd, Martin Pflüger, Conrad Friedrich, Landjäger Günther, Vollmer (first name illegible), Friedrich Schumm, Barbara Bullinger, Sophie Glock and Barbara Hachtel, among others.

 

Magdalene Beck, 26 Jahre alt, die sich zu diesem Zeitpunkt als Magd im Hause von Gessler aufgehalten hatte, war die erste Belastungszeugin. Sie hat zwei Pflüger erkannt: „Der lange Pflüger, vermutlich der Jacob, hat einen Stein geworfen und der andere Matthias Pflüger stand daneben“

Magdalene Beck, 26 years old, who was working as a maid in Gessler's house at the time, was the first prosecution witness. She recognized two plowers: “The tall plower, probably Jacob, threw a stone and the other Matthias plower stood next to it.”

 

Nach und nach fanden sich ca. 200 Schaulustige vor dem Rathaus ein. Da nun die beiden Brüder Pflüger dort festgehalten wurden, verlangte deren Vater die umgehende Freilassung. Matthias durfte gehen.

Little by little, around 200 onlookers gathered in front of the town hall. Since the two Pflueger brothers were now being held there, their father demanded their immediate release. Matthias was allowed to go.

 

(An der Stelle des Alten Rathauses, Ecke Hauptstraße/Rathausgasse 2, ist heute der LePlessis-Bouchard-Platz , dahinter steht das Sanitärgeschäft Keppler.)

(On the site of the Old Town Hall, at the corner of Hauptstrasse and Rathausgasse 2, is now LePlessis-Bouchard-Platz, behind which is the Keppler plumbing store.)

 

Da ja der Viehmarkt abgehalten wurde, war ohnehin im Ort ein großer Menschenauflauf. Bei der sehr angespannten politischen Lage waren darunter auch viele, die jetzt eine gute Gelegenheit sahen, ihrem seit Langem aufgespeicherten Ärger lautstark Luft zu machen. Um das Marktgeschehen nicht zu beeinträchtigen, wurden kurzerhand die Verhöre durch Oberamtmann Hoyer vom Rathaus in das Gasthaus zum Löwen, in der Zehntscheuergasse 1, verlegt. Der Besitzer dieses Gasthauses war der Stadtrat Seitz. Philipp der andere Pflüger, dessen Unstetigkeit und Unbeherrschtheit allgemein bekannt war, wurde auch vom Oberamtmann mitgenommen. Die ganze Meute zog dann hinterher die Lange Gasse hinauf. Während die Vernehmung im Gasthaus „Zum Löwen“ wieder fortgesetzt wurde, sammelten sich inzwischen bis zu 500 Personen davor. Die Protestierer nahmen jetzt eine so drohende Haltung ein, dass das Schlimmste zu befürchten war. Oberamtmann Hoyer versuchte die aufgebrachte Meute zu beschwichtigen, aber erntete nur Spott und Gelächter. Einer schrie: “Wenn der Pflüger nicht freigegeben wird, so geht’s letz“ (so geht das verkehrt). Daraufhin wurde Jacob Pflüger freigelassen. Auch Philipp Pflüger kam wieder frei

Since the cattle market was being held, there was a large crowd of people in town anyway. Given the very tense political situation, there were many who now saw a good opportunity to loudly vent their long-held anger. In order not to disrupt the market events, the interrogations were quickly moved by Chief Magistrate Hoyer from the town hall to the Gasthaus zum Löwen, at Zehntscheuergasse 1. The owner of this inn was the city councilor Seitz. Philip the other plowman, whose unsteadiness and lack of control was well known, was also taken away by the chief bailiff. The whole pack then marched up Lange Gasse. While the interrogation continued in the “Zum Löwen” inn, up to 500 people now gathered in front of it. The protesters now adopted such a threatening posture that the worst was feared. Mayor Hoyer tried to calm the angry crowd, but was only met with ridicule and laughter. One shouted: “If the plowman is not released, this is the end of it” (this is the wrong way). Jacob Pflueger was then released. Philipp Pflueger was also released again

 

Jetzt war auch ein großes Aufgebot von Landjägern und Bürgerwehren eingetroffen. Diese wurden vom Königlichen Landjägercorps nach Niederstetten abgestellt.

Now a large contingent of land hunters and vigilantes had arrived. These were assigned to Niederstetten by the Royal Land Hunter Corps.

 

Im weiteren Verlauf wies ein in Rechtsfragen beschlagener Anwesender die Vernehmungsbeamten darauf hin, dass seit 1817 ein königliches Dekret existiert, wonach die Feudallasten zwar nicht ganz abgeschafft, aber sehr eingeschränkt worden seien

Later, a person present who was knowledgeable in legal matters pointed out to the interrogators that a royal decree had existed since 1817, according to which the feudal burdens had not been completely abolished, but had been very limited

 

Die Menge brach immer wieder in den Ruf aus : “Wir sind königlich und haben nichts gegen den König, aber wir wollen keine Fürsten mehr.“ oder „Wir wollen ganz württembergisch sein.“

The crowd kept shouting: “We are royal and have nothing against the king, but we don’t want any more princes.” or “We want to be completely Württemberg.”

 

Bei dieser Zusammenrottung taten sich der Häcker (Kleinbauer und Weingärtner) Johann von der Heyd und der Bauer Leonhard Gröner durch ihr vorlautes Mundwerk besonders hervor. Ob dabei einer der Befragten, der das Protokoll seiner Aussagen unterschreiben sollte, das Tintenfass über das Papier geschüttet hat und dann nach England entkommen ist,26 zuvor sich aber noch in einer Scheune oder in einem Weinberghäuschen versteckt hatte, weil das Gericht sich nicht energisch durchgesetzt hat, kann in den Archivalien nicht nachgewiesen werden. Es könnte aber sein, dass hinterher einer der Befragten aus Überschwang an Gefühlen nur hochtrabende Worte gebrauchte. Es könnte aber auch eine Zeitungsente gewesen sein. In diesem Zusammenhang sind zwei Ausschreibungen in der Beilage zum „Schwäbischen Merkur“ am 19. und 28.März 1848 besonders bemerkenswert:

In this gathering, the hecker (small farmer and wine gardener) Johann von der Heyd and the farmer Leonhard Gröner particularly stood out for their cheeky mouths. Whether one of the respondents, who was supposed to sign the minutes of his statements, spilled the inkwell over the paper and then escaped to England,26 but had previously hidden in a barn or a vineyard cottage because the court did not forcefully enforce his case cannot be proven in the archives. However, it could be that afterwards one of the interviewees only used pompous words out of an exuberance of feelings. But it could also have been a newspaper duck. In this context, two advertisements in the supplement to “Schwäbischer Merkur” on March 19 and 28, 1848 are particularly noteworthy:

 

„ Langenburg (Steckbrief) Der Brandstiftung und anderer Vergehen verdächtige Philipp Pflüger Ölmüllers Sohn von Niederstetten hat sich der gegen ihn eingeleiteten Untersuchung durch die Flucht entzogen. Sämtliche Polizei- und Justizbehörden werden daher ersucht auf Pflüger zu fanden und ihn im Betretungsfalle hierher liefern zu lassen.

“Langenburg (profile) Philipp Pflüger Ölmüller's son von Niederstetten, suspected of arson and other crimes, has evaded the investigation initiated against him by fleeing. All police and judicial authorities are therefore requested to find Pflüger and have him delivered here if he is trespassed.

 

Den 13.März, Königliches Oberamtsgericht, Mederle Signalement:

March 13th, Royal Higher District Court, Mederle Signalement

 

Alter 29 Jahre, Größe 5 ´´, 8´, Haare schwarzbraun, Nase etwas breit, Mund gewöhnlich, Zähne gut, Bart schwach, Kinn rund, Wangen voll, Körperbau stark, besondere Kennzeichen: keine Kleidung: unbekannt“

Age 29 years, height 5´´, 8´, hair black-brown, nose a bit wide, mouth normal, teeth good, beard weak, chin round, cheeks full, physique strong, special characteristics: none Clothing: unknown"

 

Wie gesagt, die Menschen haben ihren Untertanengeist, der seit dem Bauernkrieg das Alltagsleben bestimmt hatte, abgelegt. Sie fühlten sich als freie Bürger. Dazu hatte nicht zuletzt die aufkommende Demokratiebewegung in dieser Zeit wesentlich dazu beigetragen. Auszüge aus den richterlichen Protokollen und deren Korrespondenz mögen dieses verdeutlichen:

As I said, people have given up their spirit of subjugation, which had determined everyday life since the Peasants' War. They felt like free citizens. Last but not least, the emerging democracy movement during this time contributed significantly to this. Excerpts from the judicial minutes and their correspondence may make this clear:

 

Protokoll vom 8.März 1848 (Blatt 43): In einem Schreiben wurde dem Oberamtsrichter die Bitte vorgetragen, die Untersuchung nicht weiterzuführen, weil diese eine große Unruhe in die Bevölkerung bringen könne.

Minutes from March 8, 1848 (page 43): In a letter, the senior magistrate was asked not to continue the investigation because it could cause great unrest among the population.

 

Am gleichen Tag wurden von der gesamten Bürgerschaft zwei angesehene Männer, nämlich der Gemeinderat Wilhelm Neudorffer27 und der Handelsmann Hermann Werttheimer28, von der jüdischen Kultusgemeinde, beauftragt, beim Untersuchungsrichter die Bitte vorzubringen, keine weiteren Verhaftungen mehr anzuordnen und „dass weitere Ermittlungen „sistiert“(d.h. eingestellt) werden mögen, „sonst wird was Schlimmes passieren“.

On the same day, two respected men, namely the local councilor Wilhelm Neudorffer27 and the tradesman Hermann Wertheimer28, from the Jewish community, were commissioned by the entire citizenry to submit a request to the investigating judge not to order any further arrests and "that further investigations be suspended"( i.e. discontinued) “otherwise something bad will happen”.

 

Diese Bitte wurde auch von Fürst Ludwig zu Hohenlohe-Bartenstein und JagstbergHaltenbergstetten unterstützt.

This request was also supported by Prince Ludwig zu Hohenlohe-Bartenstein and Jagstberg Haltenbergstetten.

 

Mit Schreiben vom 9.März 1848 trat auch Ernst Fürst zu Hohenlohe-Langenburg für eine Abschaffung der Gefälle (Feudallasten) ein.

In a letter dated March 9, 1848, Ernst Prince of Hohenlohe-Langenburg also called for the abolition of the feudal burdens

 

Protokoll vom 10. März 1848, Seite 88:“Am Freitag, den 3.März 1848 wurden Johann Fleck (der Sohn vom Adlerwirt) und der Gürtler (Messingschlosser) Schaffert im Gasthaus Krone gesehen, in der sie sonst nicht eingekehrt sind. Am 5.März 1848 waren sie wieder dort.“

Minutes from March 10, 1848, page 88: “On Friday, March 3, 1848, Johann Fleck (the Adlerwirt's son) and Gürtler (brass fitter) Schaffert were seen in the Krone inn, where they otherwise did not go. They were there again on March 5, 1848.”

 

Protokoll vom 10.März 1848, Seite 87:“ Philipp Pflüger, (der Sohn vom Ölmüller) und Johann Fleck (der Sohn vom Adlerwirt Wilhelm Fleck) sind geflohen“ Diesen hat sich wohl auch Johann Georg Bauer (aus dem Leinenwebergeschäft) angeschlossen

Minutes from March 10, 1848, page 87: “Philip Pflüger, (the son of the oil miller) and Johann Fleck (the son of the Adlerwirt Wilhelm Fleck) have fled.” Johann Georg Bauer (from the linen weaving business) also probably joined them

 

Diese drei Beteiligten stammen aus Familien, die durch die Geschäftsbeziehungen zur Standesherrschaft wirtschaftlich besser gestellt waren. Dies dürfte wohl der eigentliche Anlass ihres Verschwindens gewesen sein

These three participants come from families that were economically better off due to business relationships with the class. This may have been the actual reason for her disappearance

 

Der Landtagsabgeordnete Gottlob Egelhaaf, Stadtschultheiß und Oberamtspfleger in Gerabronn, hatte am 11.März 1848 die Bevölkerung zur Mäßigung aufgerufen. Er gab aber auch zu, dass der Landesteil Hohenlohe bei den Besetzungen der Ministerien nicht genügend vertreten gewesen sei und dadurch die Belange der hohenloher Bevölkerung nicht ausreichend berücksichtigt worden waren. (Von 1843 bis 1889 war Egelhaaf Abgeordneter der liberalen Opposition im Stuttgarter Landtag)29

On March 11, 1848, the state parliament member Gottlob Egelhaaf, city mayor and senior magistrate in Gerabronn, called on the population to exercise moderation. However, he also admitted that the Hohenlohe part of the state was not sufficiently represented in the appointments to the ministries and that the interests of the Hohenlohe population were therefore not sufficiently taken into account. (From 1843 to 1889 Egelhaaf was a member of the liberal opposition in the Stuttgart state parliament)29

 

Protokoll vom 11.März 1848, Seite 101:

Minutes from March 11, 1848, page 101:

 

„Jacob Pflüger hat sich beim Amtsgericht Langenburg gemeldet.“ Auf Bitten vieler wurde er aber nicht in Haft genommen, weil die Angst zu groß war, dass es wieder zu Unruhen kommen könnte.

“Jacob Pflueger reported to the Langenburg district court.” However, at the request of many, he was not taken into custody because there was too great a fear that unrest could break out again.

 

Für die Regierung in Stuttgart kam jetzt zu all diesen Widerwärtigkeiten noch eine weitere bestürzende Nachricht. Am 13. und 14. März 1848 stürmten die Bauern des oberen Sulmtales, der Löwensteiner Berge und des vorderen Mainhardter Waldes die Schlösser und Rentämter der Herren von Gemmingen und Weiler in Neuhütten, Weiler und Maienfels und verbrannten die Bücher auf großen Scheiterhaufen.30 Auch hier rächte es sich , dass wie in den hohenlohischen und in anderen angrenzenden kleineren Standesherrschaften der Prozess der Fronlastenablösung immer wieder hinausgeschoben worden war, während er in den altwürttembergischen Oberämtern bereits im vollen Gange war.

In addition to all these adversities, the government in Stuttgart now received further shocking news. On March 13 and 14, 1848, the farmers of the upper Sulm Valley, the Löwenstein Mountains and the front Mainhardt Forest stormed the castles and rent offices of the Lords of Gemmingen and Weiler in Neuhütten, Weiler and Maienfels and burned the books on large pyres.30 Here too It took revenge that, as in the Hohenlohe and other neighboring smaller estates, the process of replacing the burden had been repeatedly postponed, while it was already in full swing in the old Württemberg higher offices.

 

„Jetzt ging schon in Stuttgart die Schreckensmeldung um, Hohenlohe stehe in Flammen.“31 Um Schlimmeres in Niederstetten oder in Langenburg zu verhindern sah sich der Oberamtsrichter in Langenburg zu einschneidenden Maßnahmen gezwungen. Er forderte Militär an, und so wurde eine mobile Kolonne aus dem 2. Reiter- und dem 7. Infanterieregiment aus Ludwigsburg unter dem Befehl des Generals von Baumbach in Richtung Hohenlohe in Marsch gesetzt. In Heilbronn stieß das 8. Infanterieregiment noch dazu. Am 13.Marz 1848 trafen diese Einheiten dann in Langenburg ein. In allen hohenlohischen Oberämtern, vor allem aber im Oberamt Gerabronn, bezogen sie Stellung 32 Das war wohl eine reine Vorsichtsmaßnahme.

“Now the terrible news was already circulating in Stuttgart that Hohenlohe was on fire.”31 In order to prevent worse things from happening in Niederstetten or Langenburg, the senior district judge in Langenburg was forced to take drastic measures. He requested military forces, and so a mobile column made up of the 2nd Cavalry and 7th Infantry Regiments from Ludwigsburg was set off towards Hohenlohe under the orders of General von Baumbach. The 8th Infantry Regiment joined them in Heilbronn. On March 13, 1848, these units arrived in Langenburg. They took up positions in all Hohenlohe district offices, but especially in the Gerabronn district office. 32 This was probably purely a precautionary measure.

 

Protokoll vom 15.März 1848: „Jacob Pflüger wurde zusammen mit zwei weiteren Delinquenten verhaftet und nach Langenburg gebracht“.

Minutes from March 15, 1848: “Jacob Pflüger was arrested together with two other delinquents and taken to Langenburg.”

 

Protokoll vom 16.März 1848: „Das königliche Amtsgericht hat dem Bittgesuch vom 8.März 1848 widersprochen mit der Begründung, die Gewaltbereitschaft gegen die Grundherrschaft sei noch zu groß.“ Darauf haben viele Bürger von Niederstetten noch am gleichen Tag ein Bittgesuch an das Königliche Justizministerium gerichtet, dessen Leiter Friedrich Römer einer der bedeutendsten liberalen Politiker der damaligen Zeit war, mit der Bitte, den Prozess doch niederzuschlagen. Begründung:“ Die Feudallasten seien einfach unerträglich.“

Minutes from March 16, 1848: “The royal district court rejected the petition of March 8, 1848 on the grounds that the willingness to use violence against the landlords was still too great.” Many citizens of Niederstetten then submitted a petition to the royal court on the same day Ministry of Justice, whose head Friedrich Römer was one of the most important liberal politicians of the time, asked that the trial be quashed. Reason: “The feudal burdens are simply unbearable.”

 

20.März 1848: Brief von Gessler an das königliche Criminalamt Stuttgart: Es waren (am 5.März) 4 Personen im Haus: Er selbst, seine Magd, sein Knecht und der fürstliche Kellereibüttner (Weinküfer) Riegel. Als Gessler zur Schusswaffe greifen wollte, sagte der Knecht: „Sie dürfen nicht schießen, es sind jetzt zu viele, sonst sind wir alle verloren“. (Gesslers Frau und seine Nichte hatten das Haus schon bei den ersten Steinwürfen verlassen ). Weiter gab er an, dass er vermute die Haupttäter seien gedungen gewesen.

March 20, 1848: Letter from Gessler to the Royal Criminal Police Office in Stuttgart: There were (on March 5) 4 people in the house: himself, his maid, his servant and the princely Kellereibüttner (wine cooper) Riegel. When Gessler wanted to grab a gun, the servant said: “You are not allowed to shoot, there are too many of them now, otherwise we will all be lost.” (Gessler's wife and niece had already left the house when the first stones were thrown). He also stated that he suspected the main perpetrators were hired.

 

24.März 1848: Acte Blatt 17

March 24, 1848: Act sheet 17

 

„Das Justiz-Ministerium in Stuttgart am 24.März 1848 an den Criminal-Senat des Königlichen Gerichtshofes in Ellwangen: Die Niederschlagung der Untersuchung an dem dortigen Fürstlichen Canzlei-Gebäude nicht entsprechend geruht“.

“The Ministry of Justice in Stuttgart on March 24, 1848 to the Criminal Senate of the Royal Court in Ellwangen: The suppression of the investigation into the Princely Chancellery building there was not appropriately deigned”.

 

Ist Philipp Pflüger nun derjenige, der den Brand im Domänenkanzleigebäude gelegt hatte und jetzt nach England entkam, weil das Gericht nicht scharf durchgegriffen hat? 33 Da es zu keinen weitern Erhebungen gekommen ist, musste das Militär nirgends mehr eingreifen.

Is Philipp Pflueger the one who started the fire in the domain office building and now escaped to England because the court didn't take strict action? 33 Since there were no further uprisings, the military no longer had to intervene anywhere.

 

Am 31.März 1848 beschwerte sich der Stadtrat der Stadt Langenburg beim Criminal-StrafSenat in Ellwangen wegen der militärischen Einquartierung

On March 31, 1848, the city council of Langenburg complained to the Criminal Senate in Ellwangen about the military billeting

 

Seit über drei Wochen schon war Domänenrat Gessler von der Bildfläche verschwunden. Offenbar wusste auch niemand , wo er sich gerade aufhielt.Er Mit Schreiben vom 27.März 1848 hatte das Amtsgericht Langenburg dem Königlichen Landgericht in Ellwangen Kenntnis gegeben, dass sich Gessler der Vernehmung bisher entzogen hat. Er wollte also nicht als Zeuge auftreten.

Domain Councilor Gessler had been missing from the scene for over three weeks. Apparently no one knew where he was. In a letter dated March 27, 1848, the Langenburg District Court informed the Royal Regional Court in Ellwangen that Gessler had so far evaded questioning. So he didn't want to appear as a witness.

 

Da sorgte der Rechtsconsulent Gessler, sein Neffe, für eine große Überraschung. Am 3.April 1848 hatte er folgende Mitteilung herausgegeben: „Niederstetten, Verkauf:

The legal consultant Gessler, his nephew, caused a big surprise. On April 3, 1848 he issued the following notice: “Niederstetten, sale:

 

.Der Unterzeichnete ist beauftragt, folgende Gegenstände aus dem Besitzthum des Hofraths von Gessler dahier im Aufstreich zu verkaufen:

The undersigned is commissioned to sell the following items from the property of the Hofrath von Gessler here at a premium:

 

1) einen Weinberg, Thierbacher Berg, 2 ½ Vrtl. 10 Rthn, jung, mit edlen Sorten angepflanzt, ferner 172 Vrtl. 37 Rthn. dto.

1) a vineyard, Thierbacher Berg, 2 ½ vrtl. 10 Rthn, young, planted with noble varieties, also 172 Vrtl. 37 Rthn. Ditto.

 

2) einen Wagen mit Leitern, Mistbrettern und Ketten ec.,

2) a cart with ladders, manure boards and chains etc.,

 

Die Verhandlung beginnt Montag den 10.d.M., Nachmittags 4 Uhr im Löwenwirth Seitz ´schen Locale. Niederstetten/Langenburg“34

The hearing begins on Monday the 10th at 4 o'clock in the afternoon in the Löwenwirth Seitz locale. Niederstetten/Langenburg”34

 

Am 12.April folgte ein weiteres Schreiben des Oberamtsgerichts Langenburg an den Criminal-Straf-Senat. Es ging um die Frage, wer jetzt die Kosten für Unterbringung und Einquartierung der Soldaten tragen sollte.

On April 12th, another letter from the Langenburg Higher District Court to the Criminal Senate followed. The question was who should now bear the costs of housing and billeting the soldiers.

 

Am 17.April 1848 wurden die Gefangenen Jacob Pflüger, Christian Glock, Christian Schaffert, Andreas Pflüger und Johann Friedrich nach Hall verlegt und sollten dort sicher bewacht werden. (Blatt 24), da man befürchtete, dass diese gewaltsam befreit werden könnten. „Denn in der ehemaligen freien Reichsstadt ist die gesetzachtende Einstellung so, dass nichts passiert. Die Stadt Hall werde einem Befreiungsversuch entgegentreten.“ Am 20.04. wurde Johann Friedrich aus der Haft entlassen.(Blatt 28), und Jacob Pflüger, dieser gegen Kaution.

On April 17, 1848, the prisoners Jacob Pflüger, Christian Glock, Christian Schaffert, Andreas Pflüger and Johann Friedrich were transferred to Hall and were to be safely guarded there. (Sheet 24), as it was feared that they could be freed by force. “Because in the former free imperial city, the law-respecting attitude is such that nothing happens. The city of Hall will oppose any attempt at liberation.” On April 20th. Johann Friedrich was released from custody (page 28), and Jacob Pflüger, who was released on bail.

 

Gessler wurde auf Samstag, den 23.04.1848 als Zeuge nach Schwäbisch Hall vorgeladen. Da er zu diesem Termin nicht erschien, konnte erst am 27.04. seine Vernehmung durch Assessor Kern durchgeführt werden. Er hatte immerhin vorher einen Brief geschrieben., wo er Schadensanspruch anmeldete. Bei der Vernehmung verzichtete er darauf.

Gessler was summoned to Schwäbisch Hall as a witness on Saturday, April 23, 1848. Since he didn't show up for this appointment, he couldn't attend until April 27th. his interrogation will be carried out by Assessor Kern. After all, he had previously written a letter in which he filed a claim for damages. He waived this during the interrogation.

 

Als die Gefangenen nach Heilbronn überstellt wurden, zog sich das Militär wieder in die Kasernen zurück

When the prisoners were transferred to Heilbronn, the military withdrew back to the barracks

 

Wie bereits erwähnt, mussten der König und seine Regierung nun einsehen, dass sie an der Situation nicht schuldlos waren. Das Sagen der Fürsten, die schon längst ihre politische Macht an den König hatten abtreten müssen, war noch groß, und die Regierung konnte sich nicht entschließen, sich der Hartnäckigkeit der Fürsten zu widersetzen. Während im Altwürttembergischen die Adelsprivilegien, d.h. die Feudallasten und das Fronwesen beschnitten wurden, blieb im Fürstentum Hohenlohe alles beim Alten. Man hielt es offenbar nicht für notwendig auf die Belange der Bauern, Handwerker, wie auch der „kleinen Leute“ einzugehen. Diese mussten sich damals geradezu wie eine „Quantité négligeable“ vorgekommen sein. Das war wohl auch der eigentliche Anlass, dass jetzt den jungen Leuten aus Niederstetten und Umgebung der Geduldsfaden riss, und sie ein Exempel statuierten . Nun war der Zeitdruck bei der Regierung groß. Sie musste jetzt schnell handeln Ein weiteres Hinausschieben von Entscheidungen war jetzt nicht mehr möglich. Fast im „Eilverfahren“ beschloss der Landtag schon am 14.März 1848 u.a. die Beseitigung aller auf Grund und Boden ruhenden Lasten, einschließlich der Zehnten gegen eine geringe Ablösung, in allen Gemeinden Versammlungsfreiheit, die Errichtung einer Bürgerwehr und eine allgemeine Volksbewaffnung.

As already mentioned, the king and his government now had to realize that they were not blameless for the situation. The influence of the princes, who had long since had to cede their political power to the king, was still great, and the government could not decide to resist the stubbornness of the princes. While the aristocratic privileges, i.e. the feudal burdens and the corvée, were curtailed in Old Württemberg, everything remained the same in the Principality of Hohenlohe. Apparently it was not considered necessary to address the concerns of farmers, craftsmen and the “little people”. At the time, these must have felt like a “quantité négligeable”. That was probably the real reason why the young people from Niederstetten and the surrounding area lost their patience and set an example. Now the government was under great time pressure. She now had to act quickly. It was now no longer possible to postpone decisions any further. On March 14, 1848, the state parliament decided, almost in an “expedited procedure,” among other things, to eliminate all burdens on the land, including tithes for a small payment, freedom of assembly in all communities, the establishment of a vigilante group and general arming of the people.

 

Wenn nun ein so bedeutender Politiker, wie der Minister Friedrich Römer, dazu ausführte: “Die Zeit schreitet gegenwärtig in sechs Wochen weiter, als sonst in 20 Jahren“ so gab er fast indirekt zu, dass die Regierung im Zugzwang stand, denn jahrelange Versäumnisse rächten sich jetzt

When a politician as important as the minister Friedrich Römer said: “Time currently moves forward in six weeks than it normally does in 20 years,” he was almost indirectly admitting that the government was under pressure to act because years of neglect were taking revenge yourself now

 

Das Aufbegehren gegen die verhassten Feudallasten konnte von jetzt ab keine Rechtswidrigkeit mehr sein!

From now on, rebelling against the hated feudal burdens could no longer be illegal!

 

Aus dem im Staatsarchiv Ludwigsburg deponierten umfangreichen Schriftwechsel zwischen dem Justizministerium in Stuttgart, dem Landgericht Ellwangen und Amtsgericht Langenburg, sowie aus den Protokollen geht hervor, dass gerade im März 1848 die Staatsgewalt besonders aktiv war. Viele Schriftstücke tragen vielfach den Vermerk „pressant“ und die Unterschrift von Friedrich Römer.35

From the extensive correspondence deposited in the Ludwigsburg State Archives between the Ministry of Justice in Stuttgart, the Ellwangen Regional Court and Langenburg District Court, as well as from the minutes, it is clear that state power was particularly active in March 1848. Many documents often bear the note “pressant” and the signature of Friedrich Römer.35

 

Protokoll vom 28.April 1848 (Blatt 30): Lt. Schreiben hat Minister Römer die Untersuchungsakte eingesehen.

Minutes from April 28, 1848 (page 30): Lt. Minister Römer has inspected the investigation file.

 

30.April 1848: Weil von Niederstetten so viele belastet waren, wurden weitere Unruhen befürchtet. Zudem stand ein Grossteil der Einwohnerschaft von Niederstetten ganz auf der Seite der Aufständischen.

April 30, 1848: Because so many of Niederstetten were burdened, further unrest was feared. In addition, a large part of the population of Niederstetten was entirely on the side of the insurgents.

 

Am 27.Mai 1848 wurden die Ermittlungen und Verhöre eingestellt. Bei der Sitzung waren anwesend Justizassessor Kern (Vorsitzender in Vertretung für den Oberamtsamtsrichter), sowie als Beisitzer die sechs (!) Herren Bauer, Bach, Schwab, Greiner, zwei Unterschriften sind unleserlich.36

On May 27, 1848, the investigations and interrogations were stopped. Judicial Assessor Kern (chairman on behalf of the senior district judge) was present at the meeting, as well as the six (!) Mr. Bauer, Bach, Schwab, Greiner as assessors; two signatures are illegible.36

 

Während der ganzen Zeit wurden weit mehr als 100 Personen vorgeladen und verhört. Die Namen vieler Befragten gibt es heute noch in Niederstetten und Umgebung, darunter ist dreimal der Name Bauer, aber kein Johann Georg Bauer. Gemäß der noch vorhandenen Untersuchungsprotokolle wurden insgesamt 2088 Einzelfragen gestellt Im Wesentlichen waren es diese:

During the entire period, well over 100 people were summoned and interrogated. The names of many of those interviewed still exist today in Niederstetten and the surrounding area, including the name Bauer three times, but no Johann Georg Bauer. According to the existing examination protocols, a total of 2088 individual questions were asked. Essentially these were:

 

1. Was haben Sie über die Begebenheit in der vergangenen Nacht zu melden?

1. What do you have to say about what happened last night?

 

2. Was können Sie über die jetzige Stimmung im Ort aussagen?

2. What can you say about the current mood in the town?

 

3. Haben Sie sonst noch etwas anzugeben?

3. Do you have anything else to add?

 

4. Haben Sie irgend eine Handlung der beiden Pflüger wahrgenommen?

4. Did you notice any action by the two plowmen?

 

5. Können Sie weitere Namen nennen?

5. Can you name any other names?

 

„Am 3.August 1848 wurde in Vollmacht des Königs vermögens Höchster Entschließung vom 3.des Monats, die wegen der Ruhestörung zu Niederstetten am 5. und 6.März des Jahres und der weiter damit in Verbindung stehenden Verbrechen eingeleiteten Untersuchung, soweit dieselbe nicht den Bezicht der Brandstiftung betrifft, gnädigst niederzuschlagen geruht“. Stuttgart, den 4.August 1848

“On August 3rd, 1848, by authority of the King, the highest resolution of the 3rd of the month initiated the investigation into the disturbance of the peace in Niederstetten on March 5th and 6th of that year and the other crimes associated with it, insofar as it did not comply with this The accusation of arson is concerned, “deign to be mercifully put down.” Stuttgart, August 4, 1848

 

Das Königliche Justizministerium an den Criminal-Senat des Königlichen Gerichtshofes in Ellwangen Für den Dezernat Chef Happrecht“37

The Royal Ministry of Justice to the Criminal Senate of the Royal Court of Justice in Ellwangen For the department head Happrecht"37

 

Mit dieser Entscheidung wurden alle strafbaren Handlungen, soweit sie durch Eigenmächtigkeiten und Ungerechtigkeiten von Domänenrat Gessler ausgelöst wurden - diese sind Nachtruhestörung, politischer Landfriedensbruch, vehemente Forderung nach Abschaffung des Feudalwesens - nicht mehr aufrechterhalten und fallengelassen .

With this decision, all criminal acts that were triggered by the highhandedness and injustice of Domain Councilor Gessler - these are disturbing the night's peace, political breach of the peace, vehement demand for the abolition of the feudal system - were no longer upheld and dropped.

 

Entlastend für die Angeklagten war auch, dass sie im Zeitpunkt der Übergriffe keine Schusswaffen, Knüppel oder Messer bei sich hatten, kein Mensch verletzt wurde oder umgekommen ist

It was also exonerating for the defendants that they had no firearms, clubs or knives with them at the time of the attacks, and no one was injured or died

 

Auch am Schloss ist kein Brandschaden entstanden.

There was no fire damage to the castle either.

 

Am 4.August 1868, also nach 20 Jahren trat dann die Verjährung ein

On August 4, 1868, after 20 years, the statute of limitations came into force

 

Allerdings war der Straftatbestand, soweit er mit der Brandstiftung in Zusammenhang stand, weiterhin noch anhängig,

However, the criminal offense insofar as it was related to the arson was still pending,

 

Aus diesem Grund kam es am 24.August 1848 vor dem Oberamtsgericht Langenburg zu einer Untersuchung, zu welcher der Rotgerber Jacob Pflüger, der Dienstknecht Christian Groß, der Bauer Leonhard Grün aus Eichswiesen und der Bauer Wilhelm Schneider aus Kottmannsweiler, Posthalter Ziegler aus Riedbach, Sohn des Gutsbesitzers aus Herbsthausen, vorgeladen wurden.

For this reason, an investigation took place on August 24, 1848 at the Langenburg Higher District Court, which included the red tanner Jacob Pflüger, the servant Christian Groß, the farmer Leonhard Grün from Eichswiesen and the farmer Wilhelm Schneider from Kottmannsweiler, postman Ziegler from Riedbach, son of the landowner from Herbsthausen, were summoned.

 

Am 27.August 1848 wurde das Verfahren eingestellt, 20 Jahre später lief der Tatbestand der Brandstiftung auf eine Verjährung hinaus!

The proceedings were discontinued on August 27, 1848, and 20 years later the crime of arson became statute-barred!

 

Die tüchtigen, pflichtbewussten und königstreuen Richter und Ermittlungsbeamten aus dem Altwürttembergischen hatten ja in der Zwischenzeit längst erkannt, dass die Hohenloher beim Hinnehmen von Missachtungen und Überheblichkeiten schon einmal etwas langmütig und duldsam sein können. Wird aber dabei der „kritische Punkt“ überschritten, weil sie bei niemandem Gehör finden können, und sie dann erkennen müssen, dass es nicht mehr anders geht, so kann es - entsprechend der hohenlohischen Wesensart – wie im vorliegenden Fall durchaus möglich sein, dass sie sich im Ton etwas vergreifen und im Handeln etwas zupackender sind, ganz nach dem Motto: Machs Maul auf! Hau kräftig drauf! Hör bald auf! Aber danach sind sie wieder loyale Bürger und redliche Untertanen. Nachdem sie schon 45 Jahre zum Königreich Württemberg gehörten, wollten sie nicht schlechter gestellt sein wie ihre Landleute im Altwürttembergischen.

The capable, dutiful and royally loyal judges and investigators from Old Württemberg had long since recognized that the people of Hohenlohe can be a bit long-suffering and tolerant when it comes to accepting disrespect and arrogance. But if the “critical point” is exceeded because no one can listen to them and they then have to realize that there is no other way, then it can - in accordance with the Hohenlohe character - be quite possible, as in the present case be a little off-key in tone and a little more hands-on in action, true to the motto: Open your mouth! Hit it hard! Stop soon! But afterwards they are loyal citizens and honest subjects again. After they had already belonged to the Kingdom of Württemberg for 45 years, they did not want to be worse off than their fellow countrymen in Old Württemberg.

 

Am 29.Mai 1868 werden vom Königlichen Amtsgericht in Langenburg Nachforschungen beim Stadtschultheißenamt Niederstetten angestellt, ob folgende Personen in den letzten 20 Jahren straffällig geworden waren:

On May 29, 1868, the Royal District Court in Langenburg made inquiries at the Niederstetten City Schools Office as to whether the following people had committed criminal offenses in the last 20 years:

 

Jacob Pflüger, Rotgerber Johann Glock, Dienstknecht Christian Schaffert, Gürtler Jakob Friedrich , Müller Johann Friedrich und sein Bruder Konrad Johann Georg Hauff, Schlossermeister Johann Georg Stoll, Nagelschmiedmeister 30 Friedrich Schumm, Kronenwirt ? Diestelmüller, Händler und Fuhrmann Andreas Pflüger, Schumacher Die Genannten kommen aus Niederstetten, der Letzte aus Ettenhausen

Jacob Pflueger, red tanner Johann Glock, servant Christian Schaffert, belter Jakob Friedrich, miller Johann Friedrich and his brother Konrad Johann Georg Hauff, master locksmith Johann Georg Stoll, master nail smith 30 Friedrich Schumm, Kronenwirt? Diestelmüller, dealer and carter Andreas Pflüger, Schumacher The men mentioned come from Niederstetten, the last from Ettenhausen

 

Mit Schreiben vom 12.Juli 1868 (Blatt 197) hatte der Criminal-Senat des Königlichen Gerichtshofes in Ellwangen eine Anfrage an das Königliche Oberamtsgericht Langenburg gerichtet, ob folgende Personen seither schwere Straftaten begangen haben:

In a letter dated July 12, 1868 (page 197), the Criminal Senate of the Royal Court of Justice in Ellwangen asked the Royal Higher District Court of Langenburg whether the following people had committed serious crimes since then:

 

1. Jacob Pflüger (seit 10 Jahren in Nord-Amerika) 2. Christoph Schaffert (seit 4 Jahren in Ost-Indien) 3. Johann Friedrich (ebenfalls in Ost-Indien) 4. Konrad Friedrich, (Bruder von 3., ebenfalls in Ostindien)

1. Jacob Pflüger (in North America for 10 years) 2. Christoph Schaffert (in East India for 4 years) 3. Johann Friedrich (also in East India) 4. Konrad Friedrich, (brother of 3., also in East India)

 

Laut Schreiben des Criminalsenats Ellwangen aus den Jahren 1862, 1864, 1866 und 1868 wurden über den Verbleib von Philipp Pflüger noch Nachforschungen angestellt. Aber der Schultheiß von Niederstetten, Köhler, konnte keine Auskunft geben.

According to letters from the Ellwangen Criminal Senate from 1862, 1864, 1866 and 1868, research was still being carried out into the whereabouts of Philipp Pflüger. But the mayor of Niederstetten, Köhler, could not provide any information.

 

Am 16. September 1868 erfolgte der Antrag des Staatsanwaltes an den Anklagesenat für den Jagstkreis, die Anklage gegen ihn wegen Brandstiftung einzustellen. Er war ja wohl derjenige, der die Unterlagen im Domänenkanzleigebäude in Niederstetten mutwillig in Brand gesetzt hatte!

On September 16, 1868, the public prosecutor requested that the prosecution senate for the Jagstkreis drop the charges against him for arson. He was probably the one who deliberately set fire to the documents in the domain office building in Niederstetten!

 

Der Aufenthaltsort von mehreren Beschuldigten konnte nicht mehr ermittelt werden Andere waren in der Zwischenzeit, u.a. der Kronenwirt Friedrich Schumm, verstorben, so wurden nach über 20 Jahren auch die Ermittlungen in Sachen Brandstiftung eingestellt Da nun alles auf eine Verjährung hinauslief, war die leidige Geschichte entgültig aus der Welt geschafft worden.

The whereabouts of several of the accused could no longer be determined. Others had died in the meantime, including the Kronenwirt Friedrich Schumm, so after more than 20 years the investigation into the arson was stopped. Since everything now amounted to a statute of limitations, the sorry story was over been removed from the world.

 

Nachtrag

Addendum

 

Johann Georg Bauer ist nicht mehr nach Niederstetten zurück gekehrt. Durch Recherchen beim Deutschen Auswandererhaus in Bremerhaven konnte nachgewiesen werden, dass er gemeinsam mit einer Elisabeth Bauer mit dem Schiff „Gaston“ von Bremen abgereist und am 23.April 1853 in New York angekommnen ist.

Johann Georg Bauer never returned to Niederstetten. Through research at the German Emigration Center in Bremerhaven, it was proven that he left Bremen on the ship “Gaston” with an Elisabeth Bauer and arrived in New York on April 23, 1853.

 

Aus der Datenbank „Auswanderung aus Südwestdeutschland“ beim Landesarchiv BadenWürttemberg geht hervor, dass in den unmittelbar auf das Jahr 1848 folgenden zwei Jahrzehnten weit mehr als 100 Männer und Frauen aus Niederstetten nach Westeuropa, Nordamerika, Osteuropa und Australien auswanderten.

The database “Emigration from Southwest Germany” at the Baden-Württemberg State Archives shows that in the two decades immediately following 1848, well over 100 men and women emigrated from Niederstetten to Western Europe, North America, Eastern Europe and Australia.

 

Darunter war auch der 18jährige Sohn Philipp und die 23jährige Tochter Margarethe des älteren Bruders von Johann Georg Bauer. Auch hier ergaben Recherchen bei der Deutschen Auswanderer-Datenbank beim Historischen Museum in Bremerhaven, dass sie mit dem Schiff „Australia“ von Glasgow in Schottland abgereist sind und am 24.April 1873 New York erreicht haben. Margarethe ist im Jahre 1947 im Alter von 97 Jahren im US-Staat Wisconsin gestorben.

Among them was Johann Georg Bauer's older brother's 18-year-old son Philipp and 23-year-old daughter Margarethe. Here too, research in the German emigrant database at the Historical Museum in Bremerhaven revealed that they left Glasgow in Scotland on the ship “Australia” and reached New York on April 24, 1873. Margarethe died in 1947 at the age of 97 in the US state of Wisconsin.

 

Verschiedene Adelsprivilegien bestanden noch weiter, so u.a. noch das Patronatswesen. (Erst 1918 gehörten alle Privilegien entgültig der Vergangenheit an.) Die Standesherrschaft konnte noch beim Eisenbahnbau von 1867 bis 1870 bei der Regierung in Stuttgart durchsetzen, dass wegen des Lärms und des Rauchs der Schienenweg nicht am Schloss vorbei, sondern unter dem fürstlichen Grundeigentum durch einen Tunnel geführt wurde. Zur besseren Repräsentation erhielt das Bahnhofsgebäude von Niederstetten „eine massive Eingangshalle mit einer mittleren polygonal vorspringenden Säulenhalle (um 1870)“38 .

Various aristocratic privileges still existed, including the patronage system. (It was not until 1918 that all privileges finally became a thing of the past.) When the railway was being built from 1867 to 1870, the class was able to convince the government in Stuttgart that, because of the noise and smoke, the railway did not go past the castle, but under the princely property through one Tunnel was led. For better representation, the Niederstetten station building received “a massive entrance hall with a central polygonal colonnade (around 1870)”38.

 

Welche gewaltige Aufbruchstimmung im Jahre 1848 in Niederstetten und Umgebung geherrscht hatte, wurde am Ostermontag, dem 24.April 1848 an einem weiteren Ereignis deutlich erkennbar „In einem festlich verzierten Niederstetten kamen in einer öffentlichen Kundgebung etwa 1500 bis 2000 Menschen aus den Oberämtern Gerabronn und Mergentheim zusammen, um die Bewerber um die Abgeordnetenstelle beim Reichstag zu hören und über die Wahl zu beraten. Um Ein Uhr Mittags setzte sich die Volksmasse unter Anführung des Niederstettener Liederkranzes in Bewegung nach einem nahe gelegenen sehr geräumigen Garten.“ Dies war der Hofgarten, in welchem sich jetzt u.a. ein kulturelles Zentrum, die Schulen und die katholische Kirche befinden39. Es stellten sich die einzelnen Kandidaten für die Wahl zur ersten deutschen Nationalversammlung (Parlament) vor. Diese trat zum ersten Mal am 18. Mai 1848 in der evangelischen Paulskirche in Frankfurt a.M. zusammen

The tremendous spirit of optimism that prevailed in Niederstetten and the surrounding area in 1848 became clearly visible in another event on Easter Monday, April 24th, 1848: “In a festively decorated Niederstetten, around 1,500 to 2,000 people from the Gerabronn and Mergentheim districts came to a public rally together to hear the applicants for the position of representative in the Reichstag and to discuss the election. At one o'clock in the afternoon, the crowd, led by the Niederstettener Liederkranz, set off towards a very spacious garden nearby." This was the Hofgarten, which now houses, among other things, a cultural center, schools and the Catholic church39. The individual candidates for the election to the first German National Assembly (Parliament) introduced themselves. This met for the first time on May 18, 1848 in the Protestant Paulskirche in Frankfurt a.M

 

Es mussten noch viele Jahre vergehen, bis die Forderungen nach demokratischen Grundrechten so verwirklicht werden konnten, wie sie heute eine Selbstverständlichkeit sind. Im Verlauf der nächsten 100 Jahre wurden fünf Verfassungen in Kraft gesetzt. Erst die letzte, das Grundgesetz von 1949, ist ein stabiles Fundament für eine gut funktionierende Demokratie geworden mit Presse-, Rede-, Meinungs-, Versammlungsfreiheit etc..

Many more years had to pass before the demands for basic democratic rights could be realized in the way that they are a matter of course today. Over the next 100 years, five constitutions were put into effect. Only the last one, the Basic Law of 1949, has become a stable foundation for a well-functioning democracy with freedom of the press, freedom of speech, freedom of expression, freedom of assembly, etc.

 

In der gleichen Zeitspanne ereigneten sich drei Kriege, die von Mal zu Mal immer schrecklicher wurden. Noch kurz vor Ende des letzten Krieges wurde Niederstetten durch Kampfhandlungen heimgesucht, bei welchen sechs der bereits erwähnten Gebäude ganz oder teilweise abbrannten. Das Rathaus aus dem Jahre 1528 wurde restlos zerstört, und dabei gingen auch wertvolle Dokumente verloren.

During the same period, three wars occurred, each becoming more and more terrible. Shortly before the end of the last war, Niederstetten was hit by fighting in which six of the buildings already mentioned burned down in whole or in part. The town hall from 1528 was completely destroyed and valuable documents were lost.

 

D Die Schlussfolgerungen

D The conclusions

 

Die längst überfällige Abschaffung der Feudallasten war der eigentliche Auslöser für diese Rebellion. Aber ohne den damaligen Zeitgeist und insbesondere die Demokratiebewegung wäre es niemals dazu gekommen.

The long overdue abolition of feudal encumbrances was the actual trigger for this rebellion. But without the zeitgeist of the time and especially the democracy movement, this would never have happened.

 

War es nun die unmittelbare Folge der Rebellion in Niederstetten vom 5. auf 6.März (und auch des Aufstandes in Weiler am 13. und 14.März), dass der Landtag in Stuttgart schon am 14.März 1848 ganz unerwartet schnell beschloss das gesamte Feudalwesen restlos abzuschaffen? Sicherlich hatte ein Zusammenhang dazu bestanden!

Was it the direct result of the rebellion in Niederstetten from March 5th to 6th (and also the uprising in Weiler on March 13th and 14th) that the state parliament in Stuttgart decided on the whole thing quite unexpectedly quickly on March 14th, 1848 To completely abolish feudalism? Surely there was a connection to it!

 

Bei der Unnachgiebigkeit der Standesherren hätte dieses Standesprivileg sicherlich noch eine Zeitlang weiterbestanden, wenn nicht von den jungen Leuten und auch von einem Großteil der Bevölkerung aus Niederstetten und der Umgebung auf diese Weise „der Finger auf die brennende Wunde gelegt worden wäre“.

Given the intransigence of the class lords, this class privilege would certainly have continued to exist for a while if the young people and a large part of the population from Niederstetten and the surrounding area had not “put their finger on the burning wound” in this way.

 

Nach 160 Jahren sollte man eigentlich in Niederstetten jetzt Überlegungen anstellen, ob und wie man diese historische Begebenheit von damals sich wieder vergegenwärtigen kann, damit sie nicht ganz der Vergessenheit anheim fällt. Dabei sollte man sich mehr von sachlichen Erwägungen und weniger von Gefühlen und Vorurteilen leiten lassen. Diese Vorkommnisse sind ein Teil der Ortsgeschichte, ob man es will oder nicht!

After 160 years, people in Niederstetten should now consider whether and how this historical event can be remembered again so that it is not completely forgotten. You should be guided more by objective considerations and less by feelings and prejudices. These incidents are part of local history, whether you like it or not!

 

Im Grunde genommen haben heute die Niederstettener ja allen Grund, auf ihre Altvorderen stolz zu sein. Gibt es noch Nachfahren dieser Unruhestifter? ( Ein Teil von ihnen musste ja den Heimatort verlassen, um in einem anderen Land eine neue Existenz aufzubauen.) Durch dieses denkwürdige Ereignis wurde ein jahrelanges Versäumnis der Regierung in Stuttgart ganz offenkundig, wodurch diese zum schnellen Handeln gezwungen wurde. Eine Möglichkeit wäre doch bei den immer wieder stattfindenden Stadtführungen, auf die damaligen Vorkommnisse hinzuweisen und gegebenenfalls am Gasthaus „Krone“ und auch an anderen Plätzen informierende Erinnerungstafeln anzubringen. Das könnte auch für den Fremdenverkehr von Nutzen sein

Basically, today the people of Niederstetten have every reason to be proud of their ancestors. Are there any descendants of these troublemakers? (Some of them had to leave their hometown to build a new existence in another country.) This memorable event made a long-standing failure of the government in Stuttgart quite obvious, forcing it to act quickly. One possibility would be to point out the events of that time during the city tours that take place again and again and, if necessary, to put up informative commemorative plaques at the “Krone” inn and other places. This could also be useful for tourism

 

Anlässlich des 150jährigen Jubiläums schrieb der bekannte hohenloher Heimatdichter und Ehrenbürger der Stadt Niederstetten, Gottlob Haag, das interessante Schauspiel „Gesslers Fall“, das von Laienschauspielern auf der Freilichtbühne „Tempele“ verschiedene Male sehr erfolgreich aufgeführt wurde. Vielleicht könnte diese Arbeit dazu beitragen, dass wieder Interesse an weiteren Aufführungen geweckt wird.

On the occasion of the 150th anniversary, the well-known Hohenlohe local poet and honorary citizen of the city of Niederstetten, Gottlob Haag, wrote the interesting play “Gessler's Fall”, which was performed very successfully several times by amateur actors on the “Tempele” open-air stage. Perhaps this work could help spark renewed interest in further performances.

 

Es ist unverkennbar, dass gerade in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts die politischen Entwicklungen im Nachbarland Frankreich gerade auf den deutschen Südwesten von durchgreifender Tragweite gewesen sind, von der die einzelnen ländlichen Regionen und Fürstenresidenzen nicht verschont blieben. Seit über 10 Jahren gibt es eine Städtepartnerschaft zwischen Niederstetten und Leplessis-Bouchard, ca. 20 km nordöstlich von Paris bei Taverny. Wenn nun versucht würde, dieses denkwürdige Ereignis in Niederstetten den historisch interessierten Gästen aus Frankreich nahe zubringen, so könnte dies zu einer weiteren Vertiefung der Beziehungen zwischen beiden Partnerstädten beitragen, wie einst durch das „Boeuf de Hohenlohe“ zwischen Deutschland und Frankreich40 .

It is unmistakable that, especially in the first half of the 19th century, the political developments in neighboring France had a profound impact on the German southwest, from which the individual rural regions and princely residences were not spared. There has been a twin town relationship between Niederstetten and Leplessis-Bouchard, approx. 20 km northeast of Paris near Taverny, for over 10 years. If an attempt were now made to bring this memorable event in Niederstetten closer to historically interested guests from France, this could contribute to a further deepening of the relationship between the two twin cities, as was once the case with the “Boeuf de Hohenlohe” between Germany and France40.

 

Durch das Vergegenwärtigen vergangener Zustände wird das augenblickliche Dasein erhöht und bereichert. (Johann Wolfgang von Goethe)

By recalling past conditions, current existence is enhanced and enriched. (Johann Wolfgang von Goethe)

 

Quellen - Literatur - Hinweise

a) Quellen Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Ludwigsburg

1.)    Bestand: E 341-I - Büschelnummer: 261 - (Protokollakte) Archivalientitel (Aufschrift auf dem Deckblatt): - „Protokollakte des Königlichen Amtsgerichtes Langenburg. Untersuchungsprotokolle gegen Jakob Pflüger und Genossen wegen Brandstiftung und anderer Vergehen“. Die Ermittlung hatte sich vom 7.März bis zum 27.Mai 1848. hingezogen. Während dieser Zeit wurden über 100 Personen vernommen , an diese 2088 Fragen gestellt und auf 1270 DIN A4 - Seiten protokolliert. (Handschriftlich))

2.)    Bestand: : E 341-I - Büschelnummer: 262 - (Korrespondenzakte)

Archivalientitel (Aufschrift auf dem Deckblatt): „Acte des Criminal – Senats des Königlichen Gerichtshofes für den Jagstkreis in Ellwangen betr. der Untersuchungssache gegen 1) Pflüger, Jacob von Niederstetten 2) Schaffert, Christoph von Niederstetten 3) Friedrich, Conrad con Niederstetten 4) Friedrich, Johann von Niederstetten 5) Glock, Chrisitian von Niederstetten 6) Pflüger, Andreas von Niederstetten wegen Brandstiftung“

Diese Akte umfasst 201 Schriftstücke, vornehmlich handschriftlichen Briefwechsel zwischen dem Königlichen Ministerium in Stuttgart, dem Königlichen Criminal-Senat und der Königlichen Regierung für den Jagst-Kreis, beide in Ellwangen, sowie dem Königlichen Amtsgericht in Langenburg.

3.)    Bestand: E 175 - Büschelnummer: 5501

Archivalientitel (Aufschrift auf dem Deckblatt): Oberamt Gerabronn: Volksbewegung bzw. Tumultsachen im Oberamtsbezirk, Insbesondere Brandstiftung im Schloss- und Domänenkanzleigebäude Niederstetten. (handschriftlich) Deutsches Auswanderhaus, Recherche Service, Columbusstr. 65, 27568 Bremerhaven Deutsche Auswander-Datenbank im Historischen Museum Bremerhaven (MorgensternMuseum), An der Geeste, 27570 Bremerhaven

b) Literatur

Heimatbuch 650 Jahre Niederstetten, Redaktion und Gesamtverantwortung Walter Krüger, herausgegeben von der Stadt Niederstetten 1991 Veröffentlichungen zur Ortsgeschichte und Heimatkunde in Württembergisch Franken. Herausgegeben vom Historischen Verein für Württembergisch Franken, Band 4 Schwäbisch Hall1991 – Gesamtherstellung Verlag Fränkische Nachrichten mit folgenden Einzelkapiteln:

1. Beitrag von Carlheinz Gräter: „An der Vorbach formierte sich der Tauberhaufen.“ Seite 117-119.

2. Beitrag von Gerhard Seibold „Das Haus Hohenlohe und Niederstetten“, Seite 202 –218. Quellen: Hohenloher Zentralarchiv, Neuenstein (HZAN), Archiv Niederstetten

3. Beitrag von Carlheinz Gräter: „Mörike, Hartlaub und die Ereignisse des Jahres 1848 in Niederstetten“, Seiten 219 – 222 Quellen: Unterlagen über Mörike 36

4. Beitrag von Helmut Herrmann: „Mit Posthorn und Flügelrad ins 20. Jahrhundert – aus Post- und Eisenbahngeschichte“, Seiten 223 – 237 Quellen: Keine Angaben

5. Beitrag von W.M. Dienel: „130 Jahre Stadtgeschichte – Streiflichter aus der Zeit zwischen 1800 und 1930“, Seiten 239 –296. Quellen: Alle Textstellen und Artikel beziehen sich auf Angaben, Artikel und Anzeigen in der Tageszeitung „Der Vaterlandsfreund“, Gerabronn

a. Beitrag von Walter Krüger und Hermann Rumm: „Von Mühlen und Müllern in Niederstetten“, Seiten 570 –579. Quellen: u.a. Hohenloher Tagblatt, Tauberzeitung, Dr. W. G. Fleck

 

Dr. Hartmut Weber, „Die Fürsten von Hohenlohe im Vormärz“ (Dissertation 1974) Nr. 11 der Reihe: Forschungen aus Württembergisch-Franken, 1977

Beschreibung des Oberamtes Gerabronn, Herausgegeben vom Königlich – Statistischen – Topographischen Bureau Verlag der J.G Cotta´schen Buchhandlung Stuttgart und Tübingen, 1847

„Revolution im Südwesten“, Stätten der Demokratiebewegung 1848/49 in BadenWürttemberg“, herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft der hauptamtlichen Archivare im Städtetag Baden – Württemberg, INFO Verlagsgesellschaft Karlsruhe, 1997

„Sozialgeschichte Baden-Württembergs 1800 – 1989“ Willi A. Boelcke Landeszentrale für politische Bildung „Baden-Württemberg“, Vielfalt und Stärke der Regionen. Im Auftrag der Landeszentrale für politische Bildung

Baden-Württemberg, herausgegeben 2002 vom DRW-Verlag Leinfelden-Echterdingen

„Geschichte und Geschichten“, Band 3 für die Sekundarstufe 1, Ernst Klett Schulbuchverlage Stuttgart Leipzig, 1.Auflage 2005

Ploetz, „Auszug aus der Geschichte“, 26.Auflage,

A.G.Ploetz-Verlag Würzburg , 1960 Ploetz, „Hauptdaten der Weltgeschichte“, 32.Aufl.,Verlag Ploetz Freiburg/Würzburg

DTV-Atlas zur Weltgeschichte, Band 2, 1966, Deutscher Taschenbuch Verlag München

Lexikon des alten Handwerks, Ausgestorbene Handwerksberufe,, hrg. Von Reinhold Reith. Carl Beck Verlag München 1990

„Geschichte in Gestalten“, Band 1 –4, herausgegeben von Professor Dr. Hans Herzfeld, Das Fischer Lexikon, Sonderband, Fischer Bücherei KG Frankfurt/Main, 1963

Konversationslexikon „Der Neue Herder“, Verlag Herder KG Freiburg i.Br., 1970

„Meine Jugenderinnerungen an eine württembergische Kleinstadt und ihre jüdische Gemeinde“ von Bruno Stern, W.Kohlhammer Verlag Stuttgart 1968

„Sperrige Landsleute - Wilhelm I. und der Weg zum modernen Württemberg“ von Karl Moersch, DRW – Verlag 1996

„Pegasus auf dem Lande – Schriftsteller in Hohenlohe“ von Hans-Dieter Haller, Seite 161 ff. Veröffentlichungen zur Ortsgeschichte und Heimatkunde in Württembergisch Franken, Band 25, herausgegeben vom Historischen Verein für Württembergisch Franken, BAIER BPB VERLAG; 74551 Crailsheim, 2006

„Eine kleine Melodie – Chorbuch für die Geselligkeit“,

Strube-Verlag Edition 1080, 1989

c) Anmerkung

Der Verfasser wurde noch von seinem Vater, Gottlob Mündlein (1882-1953), auf wichtige und anregende Einzelheiten zu dem Geschehen vom 5.auf 6.März 1848 in Niederstetten, sowie über die Zeit davor und danach, hingewiesen. Diese Einzelheiten wurden diesem von seinem Großvater, Johann Leonhard Bauer (1820-1907), dem älteren Bruder von Johann Georg Bauer, einem bewussten und aufgeschlossenen Zeitzeugen von damals, mitgeteilt.

 

Footnotes

1 Heute französischer Nationalfeiertag

2 Marco Nimsch, „1848 und 1849 – Die Jahre der Revolution“, 8.Ausg. d. Kornwestheimer Geschichtsblätter

3 Vgl. „Baden-Württemberg“, Vielfalt und Stärke der Regionen, Seite 249

4 Vgl. „Baden-Württemberg“, Vielfalt und Stärke der Regionen, Seite 248

5 Landesarchiv BW, Stgt: Auswanderung aus Südwestdeutschland: Herkunftsort Niederstetten, Emigration im 19.Jh.: Johann Georg Bauer, 1817 Erdteil unbekannt, Herkunftsort Niederstetten.

6 Hans Dieter Haller, „Pegasus auf dem Lande“, Seite 161 (Leonhard Bauer)

7 Vergleiche auch: Heimatbuch 650 Jahre Stadt Niederstetten S. 246: „Ein fürstlich-hohenlohischer Beamter schrieb diese Jahre später (1852) einer „planmäßigen und geschickten Unterminierung der an sich konservativen Gesellschaftsschicht zu. “Diese Wühlarbeit soll seit den 1830er Jahren, möglicherweise seit dem Hambacher Fest, betrieben worden sein.

8 Vgl. Beschreibung des Oberamtes Gerabronn, 1847, S.174

9 Vgl. Heimatbuch 650 Jahre Stadt Niederstetten, Seite 250,r.o..

10 Abgedruckt in: Eine kleine Melodie, Das Chorbuch für die Geselligkeit, hrg. Von Siegfried Bauer u.a., Strube Verlag Edition 1080 1989, S.56

11

12 Vergleiche auch: Heimatbuch 650 Jahre Stadt Niederstetten S.220 r. o.

13 Vgl. Heimatbuch „750 Jahre Stadt Niederstetten“, Seite 219

14 Authentischer Bericht von Rechts-Consulent Geßler, vergl. Heimatbuch „ 750 Jahre Stadt Niederstetten“, S.248ff, dazu Unterlagen im Staatsarchiv Ludwigsburg.

15 Vermutlich stammen diese Verse vom „fidelen Kleeblatt“, vgl. Heimatbuch 750 Jahre Niederstetten S. 228

16 In dem Buch „Meine Jugenderinnerungen“ von Max Stern traf dieser Schicksalsschlag eine Frau Vögele Reis. Einer ihrer Nachkommen war Ministerialrat Dr. Otto Hirsch, geb.1885 in Stuttgart. Er arbeitete von 1912 bis 1919 bei der Stadt Stuttgart, dann im Innenministerium von Württemberg und war dort maßgebend für den Ausbau der Neckarschifffahrt von Heilbronn bis Stuttgart. Seit 1933 war er einer der führenden Männer und Sprecher der Deutschen Juden. 1941 starb er im KZ. Zu seinem Andenken wird von der Stadt Stuttgart seit 1985 jedes Jahr eine Otto-Hirsch-Medaille für Verdienste zur christlich-jüdischen Zusammenarbeit ausgelobt. Ein weiterer Nachkomme dürfte der 1889 geb. Weinhändler Otto (Bollo) Reis gewesen sein. Er war der letzte Eigentümer des Hauses, in welchem Domänenrat Gessler bis zu seinem Verschwinden gewohnt hatte und in dem am 5. und 6.März 1848 so großer Schaden angerichtet worden ist. Otto Reis konnte noch rechtzeitig in die USA (Philadelphia) emigrieren. Seine Frau und die Kinder sind im KZ umgekommen.

17 Vgl. “Baden-Württemberg“, Vielfalt und Stärke der Regionen, Seite 272

18Der Grabstein von Johann Friedrich von Jan (1802-1871) steht an der Nordseite der Friedhofskapelle in Niederstetten

19 Vgl. Heimatbuch „750 Jahre Stadt Niederstetten“, Seite 220

20 Vgl. Heimatbuch „750 Jahre Stadt Niederstetten“, Seiten 220-221

21 „Revolution im Südwesten“, Stätten der Demokratiebewegung 1848/49 in Baden-Württemberg, Seite 339

22 Vergleiche auch: Heimatbuch 650 Jahre Stadt Niederstetten, Gräter S. 117. r.o. und Beschreibung des Oberamtes Gerabronn, Seite 181

23 So wurde auch dieses Vorkommnis in dem Standardwerk „Revolution im Südwesten, Stätten der Demokratiebewegung 1848/49 in Baden-Württemberg“ nur beiläufig auf Seite 339 erwähnt.

24 So beginnt die Protokollakte des Königlichen Amtsgerichts Langenburg

25 „Revolution im Südwesten“, Stätten der Demokratiebewegung 1848/49 in Baden-Württemberg, Seite 340

26 Vgl. Heimatbuch „650 Jahre Stadt Niederstetten“, Seite 249

27 Das eiserne Grabkreuz von Wilhelm Neudorffer (1817-1871)ist an der nördlichen Mauer des Friedhofes in Niederstetten angebracht. 28 Das Grab von Hermann Werttheimer befindet sich auf dem jüdischen Friedhof im Gewann Eulenhof 29 Vgl. Hans Dieter Haller, „Pegasus auf dem Land“, Seite 71

30 „Revolution im Südwesten“, Stätten der Demokratiebewegung 1848/49 in Baden-Württemberg, Seiten 453 und 720 31 „Baden-Württemberg“, Vielfalt und Stärke der Regionen, Seite 262 32 Vgl. Heimatbuch „650 Jahre Stadt Niederstetten“, Seite 249

33 Vgl. Heimatbuch „650 Jahre Stadt Niederstetten“, Seite 249

34 Vgl. Heimatbuch „650 Jahre Stadt Niederstetten“, Seiten 251 und 252

35 Der Grabstein von Friedrich Römer (1794 – 1864) befindet sich auf dem Hoppenlau-Friedhof in Stuttgart. Es ist nicht bekannt, ob die Römergasse in Niederstetten seinen Namen trägt

36 Seite 1270 (letzte Seite) der Protokollakte 37 Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Ludwigsburg, Bestand E 341-I Büschelnummer 262, Blatt 157

38 So die Erinnerungstafel am rechten Eingang 39 Vergleiche Heimatbuch „650 Jahre Stadt Niederstetten“, Seite 252 l.o.

40 Da sind Mastochsen, die im 18. Jahrhundert unter diesem Namen zu Tausenden nach Frankreich bis nach Paris verkauft wurden, und die den Namen „Hohenlohe“ berühmt gemacht haben.


Saturday, 2 December 2023

The memorable event on March 5th and 6th, 1848 in Niederstetten (2)

This would be a very long post if I put all this document into this.  So I have split it into three.  I have copied and translated an article about Niederstetten in 1848 by Friedrich Mündlein.  Here is some information about F Mundlein

https://www.fnweb.de/orte/niederstetten_artikel,-niederstetten-creglingen-im-loewen-wurde-geschichte-gemacht-_arid,563389.html

B. Der Gewaltakt

B. The act of violence

Mit der Zeit wurde die politische und soziale Lage immer angespannter. So mancher in Niederstetten dürfte jetzt auch mitbekommen haben, dass sich da etwas zusammenbraut.

Over time, the political and social situation became increasingly tense. Some people in Niederstetten may have noticed that something is brewing.

 

Da kam auf einmal aus Paris eine schlimme Nachricht. Vom 22. bis 24. Februar 1848 gingen dort Arbeiter, Studenten, dazu auch die Nationale Garde auf die Straße, um für das allgemeine Wahlrecht zu demonstrieren. Es kam zu Barrikadenkämpfen. König Louis Philippe, der seit 1830 regierte, wurde wegen seiner antidemokratischen Haltung und seiner Begünstigung des Großbürgertums und noch nicht durchgeführter Reformen gestürzt. Durch diese „FebruarRevolution“ wurde Frankreich wieder Republik

Suddenly bad news came from Paris. From February 22nd to 24th, 1848, workers, students and the National Guard took to the streets to demonstrate for universal suffrage. There were barricade fights. King Louis Philippe, who had ruled since 1830, was overthrown because of his anti-democratic stance and his favoring of the upper bourgeoisie and his failure to implement reforms. Through this “February Revolution” France became a republic again

 

Das wirkte wie ein Fanal auf die Menschen in Deutschland, vor allem aber auf jene im deutschen Südwesten. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich hier diese aufregende Neuigkeit. Es dauerte noch nicht einmal eine Woche bis auch die Menschen in Hohenlohe in helle Begeisterung gerieten, und in Niederstetten wurden die Menschen von dieser Aufbruchsstimmung erfasst.

This acted like a beacon for the people in Germany, but especially for those in the German southwest. This exciting news spread like wildfire. It didn't even take a week for the people in Hohenlohe to become very enthusiastic, and in Niederstetten the people were caught up in this spirit of optimism.

 

Jetzt forderten auch hier wortgewaltige Redner Verfassungs-, Meinungs-, Presse-, Versammlungs- und Vereinsfreiheit und nicht zuletzt die Befreiung von sämtlichen Feudallasten, die schon so viel Widerwillen erregt hatten. Dabei waren die Wirtshäuser die idealen Orte für die Übermittlung und Weiterverbreitung dieser Neuigkeiten. Unter den Gasthäusern in Niederstetten dürfte die „Krone“ eine ganz besondere Rolle gespielt haben, weil sich hier vor allem die jungen Leute immer wieder trafen.

Now here too, eloquent speakers called for freedom of the constitution, freedom of opinion, freedom of the press, freedom of assembly and association and, last but not least, freedom from all feudal burdens that had already aroused so much disgust. The taverns were the ideal places for the transmission and dissemination of this news. The “Krone” probably played a very special role among the inns in Niederstetten because young people in particular met here again and again.

 

Die Menschen wurden geradezu ermutigt, dem französischen Vorbild zu folgen. In nicht wenigen Gemeinden kam es schon zu den ersten Erhebungen.

People were actually encouraged to follow the French model. The first surveys have already taken place in quite a few communities.

 

Obwohl in Niederstetten schon seit vielen Tagen eine gereizte Atmosphäre vorherrschte und es überall in Hohenlohe bereits rumorte, mussten noch weitere entscheidende Umstände hinzukommen, damit es zu derartigen schlimmen Ausschreitungen überhaupt hatte kommen können.

Although there had been a tense atmosphere in Niederstetten for many days and there was already rumblings everywhere in Hohenlohe, there had to be other crucial circumstances in order for such serious riots to have occurred.

 

Am Montag, den 6.März 1848 wurde in Niederstetten ein Viehmarkt abgehalten. (Anmerkung: Gemäß der Beschreibung für das Oberamt Gerabronn von 1847, Seite 173, wurden in Niederstetten in jedem Jahr „4 Krämer- und 6 Viehmärkte abgehalten, von denen die letzteren von großer Erheblichkeit sind, in dem in einem Jahr schon 1600 Stück Vieh zum Verkauf kamen.“) Dies hatte Niederstetten in erster Linie den zahlreichen jüdischen Viehhändlern zu verdanken, die hier und in der Region sesshaft waren.

On Monday, March 6th, 1848, a cattle market was held in Niederstetten. (Note: According to the description for the Oberamt Gerabronn from 1847, page 173, “4 grocers' and 6 livestock markets were held in Niederstetten every year, the latter of which are of great importance, in which 1,600 head of cattle were sold in one year Niederstetten owed this primarily to the numerous Jewish cattle traders who were settled here and in the region.

 

Da die Frühjahrsarbeiten in der Landwirtschaft noch nicht begonnen hatten, gaben sich normalerweise viele Menschen aus nah und fern hier ein Stelldichein. Man will vor allem sehen und gesehen werden und dabei Erfahrungen und Meinungen austauschen.

Since the spring agricultural work had not yet begun, many people from near and far usually gathered here. Above all, you want to see and be seen and exchange experiences and opinions.

 

Einen Monat zuvor , am 2.Februar, war Lichtmess, der Zahl- und Ziehtag für Dienstboten. Normalerweise wurde auch an diesem Tag ein Krämermarkt in Niederstetten abgehalten. Wer noch auf der Suche nach einer Stelle war, hatte jetzt noch beim Pferdemarkt die Möglichkeit einen neuen Arbeitsplatz zu finden.

A month earlier, on February 2nd, was Candlemas, the pay and drawing day for servants. Normally a grocer's market was held in Niederstetten on this day. Anyone who was still looking for a job now had the opportunity to find a new job at the horse market.

 

Das ganze Marktgeschehen spielte sich hauptsächlich zwischen dem Rathaus (dort ist heute der Le-Plessis-Bouchard-Platz, vor dem Sanitärgeschäft Keppler) und dem Marktplatz mit dem Gasthaus „Krone“ und bis in die Lange Gasse ab. Hier wurden auch das Vieh vorgeführt, verkauft und gekauft und dann der Handel zuweilen bei einem leidenschaftlichen Disput zum Abschluss gebracht Hinterher wurde dann alles in den Gaststätten mit reichlich Alkohol begossen.

The whole market activity took place mainly between the town hall (that's where Le-Plessis-Bouchard-Platz is today, in front of the Keppler plumbing store) and the market square with the “Krone” inn and up to Lange Gasse. Here the cattle were also presented, sold and bought and then the deal was sometimes concluded with a passionate dispute. Afterwards everyone in the restaurants was doused with plenty of alcohol.

 

Die ersten Gäste dürften sich schon am Sonntag, den 5.März 1848 im Verlaufe des späteren Nachmittags eingefunden haben, so dass am frühen Abend die „Krone“ bis auf den letzten Platz besetzt war Darunter dürften auch jene gewesen sein, die gekommen waren, um ihren aufgespeicherten Ärger und ihre berechtigte Unzufriedenheit über die gegenwärtige politische und soziale Lage Luft zu machen.

The first guests probably arrived on Sunday, March 5, 1848, later in the afternoon, so that by early evening the “Krone” was full to the last seat. These were probably also those who had come to to vent their stored up anger and their justified dissatisfaction with the current political and social situation.

 

Dem 30jährigen Kronenwirt Friedrich Schumm kam das alles sehr gelegen. Er war nun sehr bemüht eine volles Gasthaus zu bekommen, und dazu war eine vergnügliche Festlichkeit am Sonntagabend gerade recht. Es lässt sich jetzt darüber spekulieren, ob jetzt der „Fritzen -Tag“, den er einfach vom Freitag, den 3.März auf den Sonntag verlegt hatte, der eigentliche Anlass dazu war. Dies lässt durchaus den Schluss zu, dass sich hier vor allem viele junge Leute eingefunden haben. (Noch in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts bestand bei den einheimischen Gastwirten, mit dem Vornamen „Friedrich“ die Gepflogenheit, am 3.März, der ja in den Kalendern den Tagesnamen Friedrich hat, zu einem lustigen Beisammensein einzuladen.)

This all came in handy for 30-year-old Kronenwirt Friedrich Schumm. He was now trying very hard to get a full inn, and a fun celebration on Sunday evening was just the thing. It can now be speculated as to whether the “Fritzen Day”, which he simply moved from Friday, March 3rd to Sunday, was the actual reason for this. This certainly leads to the conclusion that a lot of young people in particular have come here. (Even in the first half of the last century, local innkeepers with the first name “Friedrich” had the custom of inviting people to a fun get-together on March 3rd, which has the day name Friedrich in the calendars.)

 

Bei nicht allen Anwesenden dürfte es nicht so recht zu einer ausgelassenen, sondern mehr zu einer gedrückten Stimmung gekommen sein In erster Linie drehten sich die Gespräche um die derzeitigen allgemeinen wirtschaftlichen, politischen und sozialen Gegebenheiten, aber auch um die alltäglichen persönlichen Sorgen und Nöte und was jetzt geschehen sollte, um diesem Übelstand möglichst rasch und wirksam abzuhelfen. Bei der angespannten, wenn nicht schon zugespitzten Atmosphäre hatte schon fast jeder im Ort geahnt, dass etwas in der Luft liegen musste .

For not everyone present, the mood was not really exuberant, but rather depressed. First and foremost, the conversations revolved around the current general economic, political and social circumstances, but also about everyday personal worries and needs and whatnot should happen now in order to remedy this problem as quickly and effectively as possible. Given the tense, if not tense, atmosphere, almost everyone in town had suspected that there must be something in the air.

 

In der „Krone“ waren alle Anwesenden gegen Gessler sehr aufgebracht. Er hatte sich gegenüber diesen jungen Leuten eine böse Entgleisung geleistet, wodurch diese sich jetzt gedemütigt fühlen mussten, denn „er und sein Adlatus Höppel hätten durch besondere Schärfe im Einzug von Rückständen die Leute aufs äußerste erbittert“. Damit waren diese beiden – vielleicht ohne Wissen ihres Dienstherren - in ihrem Vorgehen sehr eigenmächtig und rücksichtslos und haben so die ohnehin heikle Situation auf die Spitze getrieben.12 Jetzt war der überwiegende Teil geradezu auf Heimzahlung erpicht.

In the “Krone” everyone present was very angry against Gessler. He had made a bad mistake towards these young people, which meant that they now had to feel humiliated because “he and his adlatus Höppel had embittered the people to the extreme by being particularly harsh in collecting residues”. In doing so, these two - perhaps without the knowledge of their employer - were very high-handed and ruthless in their actions and took the already delicate situation to the extreme.12 Now the majority of them were eager to get paid back.

 

Vielleicht hatte nun der übermäßige Alkoholgenuss bei einigen dazu beigetragen, dass die Unterhaltung im Verlauf des Abends immer mehr auf die verhassten Feudalabgaben und auf Gessler gelenkt wurde. Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, wo sich ein Unruhestifter breitbeinig auf einen Tisch platzierte und lautstark einige der bekannten politischen Parolen den Zuhörern an den Kopf schleuderte und forderte, Gessler einen gehörigen Denkzettel zu erteilen und zugleich ein Exempel zu statuieren und „ das geht nur, wenn er noch heute eine ordentliche Tracht Prügel bekommt.“ Die Reaktion blieb nicht aus. Schon schickten sich die Ersten an das Lokal zu verlassen Mehrere schlossen sich diesen an. Dazu gesellten sich noch Etliche auf dem Marktplatz. Ein paar Lautstarke dürften auch aus dem nahen, ebenfalls an den Marktplatz angrenzenden „Ochsen“ (heute Filiale der Kreissparkasse) und den anderen Gaststätten gekommen sein, so dass gegen 22.00 Uhr eine Meute von 20 bis 30 Radau- und Rabatzmacher (an anderer Stelle ist sogar von 100 Menschen die Rede) die Lange Gasse hinaufzog, um Gessler zu fassen. Dabei warfen sie so lautstark mit den bekannten Schlagworten um sich, dass sie fast jedermann in dem kleinen Ort mitbekam. Da war zu hören: „Nieder mit Höhenlohe“, „Nieder mit Gessler“, „Es lebe die Republik“, „Es lebe die Pressefreiheit“, aber auch „Es lebe der König“. Einige werden sich nur deshalb daran beteiligt haben, weil sie hofften in der Dunkelheit nicht erkannt zu werden. Eine Straßenbeleuchtung hat es ja damals nicht gegeben.

Perhaps the excessive consumption of alcohol by some people had contributed to the fact that as the evening progressed the conversation was increasingly directed towards the hated feudal levies and Gessler. Now the time had come when a troublemaker sat down on a table with his legs apart and loudly hurled some of the well-known political slogans at the listeners and demanded that Gessler be given a proper lesson and at the same time set an example and “that only works if "He's going to get a good beating today." The reaction wasn't lacking. The first people were already preparing to leave the restaurant. Several people joined them. There were also a number of people on the market square. A few loud people may have also come from the nearby “Ochsen” (today a branch of the Kreissparkasse) and the other restaurants, which is also adjacent to the market square, so that around 10 p.m. there was a crowd of 20 to 30 rowdy and rabid makers (elsewhere). There was even talk of 100 people) who went up Lange Gasse to catch Gessler. They threw around the well-known catchphrases so loudly that almost everyone in the small town heard them. You could hear: “Down with Höhenlohe”, “Down with Gessler”, “Long live the Republic”, “Long live freedom of the press”, but also “Long live the King”. Some may have only taken part because they hoped not to be recognized in the darkness. There were no street lights back then.

 

Sehr schnell fanden sich auf beiden Seiten der Langen Gasse Schaulustige in wachsender Zahl ein, auf welche der ganze Spektakel fast eine Euphorie ausgelöst hatte Auch Johann Georg Bauer war als Sympathisant darunter. .

Very quickly, increasing numbers of onlookers gathered on both sides of the Lange Gasse, and the whole spectacle almost caused euphoria. Johann Georg Bauer was also among them as a sympathizer. .

 

Gerade die Söhne besser situierter Bürger, die hauptsächlich die Feudallasten zu tragen hatten, ermutigten die Ärmeren zur Demonstration, denn jene bekamen für ihre Frondienste keine Entlohnung

The sons of better-off citizens, who mainly had to bear the feudal burden, encouraged the poorer people to demonstrate, because they received no remuneration for their forced labor

 

Für den Landjäger war es jetzt unmöglich hier einzugreifen. Es hat den Anschein, dass das ganze Geschehen eine im voraus abgesprochene Sache war

It was now impossible for the Landjäger to intervene here. It appears that the whole event was a pre-arranged affair

 

Als die ganze Rotte am Hause von Gessler angekommen war, wurden dort einige Fensterscheiben eingeschlagen, um ihn herauszulocken(Heute befindet sich an dieser Stelle eine Schlecker-Filiale und ein Baumarkt). Gessler jedoch ließ sich nicht blicken. So zogen sie zum Schloss Haltenbergstetten, zündeten das Strohdach der Eisgrube an, in der Absicht ihn aus dem Domänen-Kanzleigebäude herauszulocken und so seiner habhaft zu werden. Dann warfen sie im Haus des Rentamtmann Riegel (heute Wohnung von Prinz Johannes, Schloss 3) 44 Scheiben ein.13 Dieser musste daraufhin die Flucht ergreifen. Auch hier glückte ihr böses Vorhaben nicht. Zur gleichen Zeit hatte sich Gessler im „Adler“ aufgehalten. (In dieser Gaststätte verkehrte normalerweise der Standesherr und auch seine Bediensteten.) Als Gessler den Brand sah, wollte er sofort zum Schloss hinauf, doch die anwesenden Gäste hielten ihn gewaltsam davon ab.

When the whole gang arrived at Gessler's house, some windows were broken to lure him out (today there is a Schlecker branch and a hardware store at this location). Gessler, however, did not show up. So they went to Wartenbergstetten Castle, set fire to the thatched roof of the ice pit, with the intention of luring him out of the domain office building and thus getting hold of him. They then threw 44 windows into the house of the rent bailiff Riegel (today Prince Johannes's apartment, Castle 3).13 He then had to flee. Here, too, her evil plan did not succeed. At the same time, Gessler was staying at the “Adler”. (The nobleman and his servants usually frequented this restaurant.) When Gessler saw the fire, he immediately wanted to go up to the castle, but the guests present violently stopped him.

 

Als das Dach abgebrannt war, hatte sich das Gros der Meute eilends den Schlossberg hinab und über die Lange Gasse an der Wohnung von Gessler vorbei davongemacht. Dort flogen wieder Steine. Anschließend fanden sich diese Übeltäter nochmals in der „Krone“ zusammen, um noch weitere Alkoholika zu vertilgen Danach zogen sie wieder zum Haus von Domänenrat Gessler. Lt. seinem Brief vom 22. März 1848 an das Königliche Criminalamt in Stuttgart haben die Randalierer mit Steinen und Holzscheiten viele Fensterscheiben eingeworfen und unter viel Gebrüll die eisenbeschlagene Haustüre zerschmettert. Sie sind aber nicht in die Wohnung eingedrungen und haben nichts mitgenommen. Dabei wurde sein Haus von drei Seiten umstellt. An die vierte Seite konnten sie nicht kommen. Wutentbrannt wollte Gessler, der kurz zuvor wieder nach Hause gekommen war, noch zur Schusswaffe greifen, doch er wurde umgehend von einem Dienstboten davon abgehalten. So konnte er gerade noch durch das Küchenfenster in den Garten entkommen und sich in einer Bäckerei auf der anderen Seite der Langen Gasse vor der wütenden Menge in Sicherheit bringen - an dieser Stelle befindet sich jetzt der Salon Grotsch -, wo er sich mit seinen Angehörigen bis morgens 7.00 Uhr aufhielt und dann mit den Seinen die Flucht in Richtung Bayern ergriff.14 Kurz vorher hatte er sich nochmals in seiner Wohnung umgesehen.

When the roof burned down, the majority of the pack hurriedly made their way down the Schlossberg and along Lange Gasse past Gessler's apartment. Stones were flying there again. These evildoers then gathered again in the “Krone” to consume more alcohol. Afterwards they moved back to the house of Domain Councilor Gessler. Lt. According to his letter dated March 22, 1848 to the Royal Criminal Police Office in Stuttgart, the rioters smashed many windows with stones and logs and, while shouting, smashed the iron-clad front door. But they didn't break into the apartment and didn't take anything with them. His house was surrounded on three sides. They couldn't get to the fourth side. In a rage, Gessler, who had recently returned home, wanted to grab the gun, but he was immediately stopped by a servant. So he was just able to escape through the kitchen window into the garden and find safety from the angry crowd in a bakery on the other side of Lange Gasse - this is where the Salon Grotsch is now located - where he met with his relatives at 7:00 a.m. and then fled with his people towards Bavaria.14 Shortly before, he had looked around his apartment again.

 

Es war klug von Gessler, dass er sich rechtzeitig in Sicherheit gebracht hatte, so blieb er von Schrammen und Blessuren verschont, und bei seinen Verfolgern kam es nicht zum Straftatbestand der Körperverletzung

It was smart of Gessler to get to safety in time, so he was spared from scratches and injuries, and his pursuers did not commit the offense of bodily harm

 

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Es dauerte nicht lange, bis ein heimischer Spaßvogel, der vermutlich die entsprechende „Außeneinrichtung“ im Schloss Weikersheim schon gesehen hatte, folgenden amüsanten Spottvers in Umlauf brachte15:

Whoever has the damage does not have to worry about the ridicule. It didn't take long until a local joker, who had probably already seen the corresponding "outdoor furnishings" in Weikersheim Castle, circulated the following amusing mocking verse15:

 

„Und der Herr Domänenrat,

der uns so beschissen hat,

schlüpft jetzt durch ein Abtrittsloch

Freiheit, Gleichheit, vivat hoch!“

“And the domain councilor,

who screwed us so badly,

now slips through a vent hole

Freedom, equality, live high!”

 

Aus verständlichen Gründen hatte Gessler diesen „Notausgang“ zu keiner Zeit benutzt. Seine Magd, die ihm unmittelbar hinterher gefolgt ist, eilte schnurstracks zum Stadtschultheißen, doch der hat sie mit der Bemerkung: “Ich bin ja auch meines Lebens nicht mehr sicher“ abgewiesen

For understandable reasons, Gessler never used this “emergency exit”. His maid, who followed him immediately, rushed straight to the town mayor, but he turned her away with the remark: “I'm no longer sure of my life either.”

 

Nach all diesen Vergehen gaben diese Missetäter noch lange nicht klein bei. Sie hofften immer noch Gessler aufgreifen zu können.

After all these crimes, these perpetrators did not back down. They still hoped to pick up Gessler.

 

Jetzt war das Fürstliche Rentamt an der Ostseite des Schlosses das Objekt ihrer Aggressionen. Dort waren nämlich die herrschaftlichen Grundbücher deponiert, in denen die Abgaben an die Standesherrschaft ausgewiesen sind, die zusätzlich zu den Staatssteuern geleistet werden mussten. Da diese Lasten - wie bereits gesagt - nicht nach Einzelposten rechtlich fixiert waren, konnten diese Forderungen durchaus willkürlich gehandhabt werden. Weil keine Einsicht in die Bücher gewährt wurde, lag die Vermutung nahe, dass diese Zahlungen auch für die luxuriöse Hofhaltung verschwendet wurden. Das hatte die Menschen besonders wütend gemacht.

Now the Princely Rent Office on the east side of the castle was the object of their aggression. The manorial land registers were deposited there, in which the taxes paid to the estate were shown, which had to be paid in addition to the state taxes. Since these burdens - as already mentioned - were not legally fixed on an individual basis, these demands could be handled arbitrarily. Because no access to the books was permitted, it was reasonable to assume that these payments were also wasted on the luxurious royal household. This made people particularly angry.

 

Zu den Randalieren gesellten sich in der Zwischenzeit noch viele Neugierige und Schaulustige, die Meisten davon waren Sympathisanten. Und so zog wieder eine große Meute eilends, lautstark und furchterregend den Schlossberg hinauf, wo sie im DomänenKanzlei-Gebäude, dem Fürstlichen Rentamt, die Hauptursache ihres Übels sahen. Als sie fast außer Atem oben angekommen waren, vor dem Gebäude standen und zur großen Enttäuschung feststellen mussten, dass Gessler ihnen möglicherweise wieder entwischt war, machten die einen zwar lange Gesichter, die anderen aber gerieten mächtig in Rage, und zwar so, dass sie jetzt ihrer Stinkwut freien Lauf ließen

In the meantime, many curious people and onlookers joined the rioters, most of whom were sympathizers. And so a large mob again rushed, loudly and fearfully up the Schlossberg, where they saw the main cause of their evil in the Domain Chancellery building, the Princely Rent Office. When they reached the top, almost out of breath, stood in front of the building and discovered, to their great disappointment, that Gessler had possibly escaped from them again, some of them made long faces, but the others became very angry, so much so that they now gave free rein to their madness

 

Als erstes schlugen sie die Tür zum Fürstlichen Rentamt ein, drangen in die Räumlichkeiten ein und warfen alle Akten, die sie vorfanden, auf einen großen Haufen. Ganz im Übereifer, ohne jeden Sinn und Verstand, ist wohl einer auf den dummen Einfall gekommen, die Bücher, Schriftstücke, Belege etc. anzuzünden und dachte dabei nicht an die Folgen. Hier zeigte sich jetzt, wie groß der Alkoholeinfluss war und wie unüberlegt sie gehandelt hatten In nur wenigen Augenblicken griff das Feuer auf die danebenstehenden Einrichtungsgegenstände über, und es dauerte nicht lange, bis das ganze Gebäude in hellen, zum Himmel lodernden Flammen stand. Die Umstehenden gerieten jetzt in einen so großen Freudentaumel, dass sie diejenigen (darunter war vermutlich auch Johann Georg Bauer), die löschen wollten, u.a. den Schultheissen aus Adolzhausen oder einen Bauer aus Rinderfeld gewaltsam davon abhielten. Im Hinblick auf das Unrecht, das die Einwohnerschaft schon jahrelang hinnehmen musste, wäre das alles noch zu verstehen gewesen

First, they broke down the door to the Princely Rent Office, entered the premises and threw all the files they found into a large pile. In complete overzealousness, without any sense or understanding, someone probably came up with the stupid idea of ​​setting fire to the books, documents, receipts, etc. and didn't think about the consequences. This now showed how great the influence of alcohol was and how carelessly they had acted. In just a few moments the fire spread to the furnishings next to it, and it didn't take long until the entire building was in bright flames blazing towards the sky. The bystanders were now in such a state of joy that they forcibly prevented those who wanted to extinguish the fire (among them was probably Johann Georg Bauer), including the mayor from Adolzhausen and a farmer from Rinderfeld. In view of the injustice that the residents had to endure for years, all of this would have been understandable

 

Hätten die Randalierer aber die Unterlagen zum Fenster hinausgeworfen oder sonst wie ins Freie gebracht und dann in Brand gesetzt, dann wäre wahrscheinlich manches anders verlaufen. Sie hätten sich nicht der Brandstiftung schuldig gemacht, aber so war das ja ein schweres Verschulden, für das einige die Konsequenzen auf sich nehmen mussten. So sehr jetzt diese Unruhestifter ihre helle Freude am Abfackeln der verhassten Schriftstücke, Abgabelisten, Briefe, Protokolle, Manuskripte und sonstigen Notizen und Dokumente empfanden, die, wie schon gesagt, vor allem als Beweisunterlagen dienten, nach denen sie der Standesherrschaft noch Abgaben schuldeten, so sehr wurden viele Einwohner drunten im Ort durch den in der stockdunklen Nacht besonders makabren und weithin sichtbaren Feuerschein in Angst und Schrecken versetzt

But if the rioters had thrown the documents out the window or otherwise brought them outside and then set them on fire, things would probably have been different. They were not guilty of arson, but it was a serious offense for which some had to accept the consequences. As much as these troublemakers now took great joy in torching the hated documents, tax lists, letters, minutes, manuscripts and other notes and documents, which, as already mentioned, served primarily as evidence according to which they still owed taxes to the class, so Many residents down in town were terrified by the particularly macabre and widely visible firelight in the pitch black night

 

Einer Frau Lämmle, die etwas wohlbeleibt war, setzte das Ganze so zu, dass sie tot umfiel. 16 Während nun das Domänenkanzlei-Gebäude nach ein oder zwei Stunden völlig niedergebrannt war, und das Feuer nur noch gelegentlich aufflackerte, verzogen sich nach und nach die aufgebrachten Übeltäter und die neugierigen Gaffer.

The whole thing took such a toll on Mrs. Lämmle, who was somewhat overweight, and she dropped dead. 16 While the domain chancellery building was completely burned down after an hour or two, and the fire only flared up occasionally, the angry miscreants and the curious onlookers gradually left.

 

Es mag jetzt wie eine Ironie klingen, wenn ein Lateinkundiger den Hohenloher Wappenspruch “Ex flammis orior“ („Aus den Flammen steige ich auf“) umgeschrieben hat. Nach dem Brand in Niederstetten hieß es „In flammis morior“ („In den Flammen komme ich um“) 17 .

It may sound like irony now that a Latin expert has rewritten the Hohenloh heraldic motto “Ex flammis orior” (“I rise from the flames”). After the fire in Niederstetten it was called “In flammis morior” (“I will die in the flames”) 17.

 

Der Feuerschein war so groß, dass ihn auch Pfarrer Wilhelm Hartlaub im benachbarten Wermutshausen gesehen haben muss. Er hat seinem langjährigen Freund Eduard Mörike in Mergentheim auch ausführlich von diesem Ereignis berichtet. Demgemäss notierte Eduard Mörike unter dem 5.März 1848 in seinem Haushaltungsbüchlein: “Aufstand in Niederstetten. Fürstliche Canzlei abgebrannt: Scheußlicher müssen es die Plünderer in Paris nicht getrieben haben.“ Wie auch der Pfarrer von Niederstetten, Johann Friedrich von Jan18, blieb er - wie viele andere Pfarrer auch - in dieser sehr leidigen Angelegenheit mit Rücksicht auf die Standes- und Patronatsherren zurückhaltend und neutral .

The firelight was so great that Pastor Wilhelm Hartlaub in neighboring Wermutshausen must have also seen it. He also reported this event in detail to his long-time friend Eduard Mörike in Mergentheim. Accordingly, Eduard Mörike noted in his housekeeping booklet on March 5, 1848: “Uprising in Niederstetten. The prince's chancellery burned down: the looters in Paris couldn't have done anything more horrible." Like the priest of Niederstetten, Johann Friedrich von Jan18, he - like many other priests - remained in this very painful matter out of consideration for the nobles and patrons reserved and neutral.

 

Anders erging es dem Kollegen in Ettenhausen bei Bartenstein, der sich in einer Predigt auf die Seite der Fürsten gestellt hatte. Ihm wurden auch die Fenster eingeschlagenen, er musste Anpöbeleien über sich ergehen lassen und sich zuletzt in Sicherheit bringen. 19

The situation was different for his colleague in Ettenhausen near Bartenstein, who had sided with the princes in a sermon. His windows were also broken, he had to endure insults and finally have to flee to safety. 19

 

Als Folge dieses Brandes wurde die Domänenverwaltung nach Bartenstein verlegt. Vom Kanzleigebäude ist heute nur noch der Gebäudeteil mit einem zinnenartigen Mauerabschluss entlang der Gartenbegrenzung übrig geblieben

As a result of this fire, the domain administration was moved to Bartenstein. Today all that remains of the office building is the part of the building with a crenellated wall along the garden boundary

 

Pfarrer Hartlaub schrieb an Eduard Mörike am 9.3.48, dass er am 7.3. in Niederstetten war. „... Dem Fürsten, der bei dem Brand zugegen war, geschah kein Leid, nur half seine Anwesenheit nichts, man trieb vor seinen Augen Spott mit den Löschmitteln....“20 Nach seiner überstürzten Flucht ist Domänenrat Gessler nicht mehr nach Niederstetten zurückgekehrt. Sein Neffe musste sich jetzt um sein Hab und Gut kümmern. Die Haupttäter mussten sich aber im Klaren darüber sein, was in den nächsten Tagen auf sie zukommen würde.

Pastor Hartlaub wrote to Eduard Mörike on March 9, 1948 that he would be there on March 7. was in Niederstetten. “... No harm came to the prince who was present at the fire, but his presence did not help, they mocked him with the extinguishing agents in front of his eyes...”20 After his hasty escape, Domain Councilor Gessler is no longer in Niederstetten returned. His nephew now had to take care of his belongings. However, the main perpetrators had to be aware of what would happen to them in the next few days.

 

Als Johann Georg Bauer lange nach Mitternacht zu Hause eintraf, ist es sogleich zwischen seiner Mutter, seinem älteren Bruder und der jüngeren Schwester zu einer heftigen Auseinandersetzung gekommen. Da die Familie einer Gemeinschaft angehörte, die dem schwäbischen Pietismus nahe stand, ist es völlig unangebracht an Ausschreitungen gegen die Standesherrschaft teilzunehmen, der man schließlich auch eine auskömmliche Existenzgrundlage mit zu verdanken hat. Johann Georg konnte zumindest vorerst keine Bleibe in seinem Elternhaus mehr haben. Wenige Tage danach musste er Niederstetten verlassen. Man gab ihm aber noch ein Darlehen mit auf den Weg.

When Johann Georg Bauer arrived home long after midnight, a heated argument immediately broke out between his mother, his older brother and his younger sister. Since the family belonged to a community that was close to Swabian pietism, it is completely inappropriate to take part in riots against the class rule, to which one ultimately owes a sufficient livelihood. Johann Georg could no longer have a place to stay in his parents' house, at least for the time being. A few days later he had to leave Niederstetten. But he was given a loan along the way.

 

Auch in anderen Orten der Region wurde die Bevölkerung in Aufregung versetzt und auch dort rumorte es in den Köpfen der Menschen. „So war bei der Künzelsauer Bürgerschaft zu hören, man solle - nach Niederstettener Vorbild - das Schloss des Fürsten und das Amtshaus stürmen, um alle Beweisunterlagen für die Herrschaft zu zerstören, der man ja auch Abgaben schuldete.“21

In other places in the region, the population was also excited and there, too, things were rumbling in people's minds. “The citizens of Künzelsau heard that - following the Niederstetten model - they should storm the prince's castle and the office building in order to destroy all evidence of the rule, to which they also owed taxes."21

 

Bei diesem ungewöhnlichen Geschehen verdient die Unbekümmertheit und Unverfrorenheit vieler Bürger hervorgehoben zu werden. In ihrem Handeln legten sie ein großes Selbstbewusstsein und eine erstaunliche Frivolität an den Tag, so dass die Autoritätsgläubigkeit und der Untertanengeist, der seit Jahrhunderten den Alltag der Menschen bestimmt hatte, wie weggeblasen erscheint. Das musste bei der Regierung in Stuttgart, wie auch bei der Standesherrschaft Fassungslosigkeit ausgelöst haben. Hier drängt sich jetzt eine verblüffende Parallele zum Bauernkrieg auf. Am 4.April 1525 stand ein Haufen aufrührerischer Bauern drohend vor Schloss Haltenbergstetten Der Schlossherr Zeisolf von Rosenberg hatte aber schlau gehandelt, indem er diesen Aufständischen Einlass gewährte. „Nachdem sie sich in Speise und Trank gütlich getan, namentlich 6 Fuder Wein (ca. 6000 Liter) ausgetrunken hatten, ließen sie sich am Tag darauf zum Abzug nach Schäftersheim bewegen“.22

In this unusual event, the carefree and insolence of many citizens deserves to be highlighted. In their actions they displayed great self-confidence and astonishing frivolity, so that the belief in authority and the spirit of subjection that had determined people's everyday lives for centuries seemed to have been blown away. This must have caused disbelief in the government in Stuttgart, as well as in the class. An astonishing parallel to the Peasants' War comes to mind here. On April 4, 1525, a bunch of rebellious farmers stood threateningly in front of Wartenbergstetten Castle. However, the castle lord Zeisolf von Rosenberg had acted cleverly by allowing these rebels entry. “After they had feasted on food and drink, especially drinking 6 gallons of wine (approx. 6000 liters), they were persuaded to leave for Schäftersheim the following day.”22

 

Am 5.März 1848, an dem wohl die erste und einzige Rebellion in Hohenlohe und wohl auch die erste im Königreich Württemberg stattgefunden hatte, ging der Zeitabschnitt des Vormärz zu Ende.

On March 5, 1848, on which the first and only rebellion took place in Hohenlohe and probably also the first in the Kingdom of Württemberg, the period of pre-March came to an end.

 

Größere und bedeutendere Ereignisse, welche die Menschen weit mehr bewegten, sollten nur kurze Zeit danach folgen:

Larger and more important events, which moved people far more, were to follow only a short time later:

 

In Berlin gingen am 18.März 1848 einige Tausend Menschen auf die Straße. Es kam zu Barrikadenkämpfen, bei der 97 Demonstranten ihr Leben verloren haben. Das Volk hatte deshalb den preußischen Prinzen Wilhelm „Kartätschenprinzen“ genannt.

In Berlin on March 18, 1848, several thousand people took to the streets. There were barricade battles in which 97 demonstrators lost their lives. The people therefore called the Prussian Prince Wilhelm “Grape Prince”.

 

In München gab es am 20.März 1848 einen Volksaufstand. Der Anstoß dazu war neben der Demokratiebewegung auch die Affäre des Königs Ludwig I. mit der um Jahrzehnte jüngeren und ebenso herrischen wie auch kapriziösen spanischen Tänzerin Lola Montez, die sich sogar dreist in seine Regierungsgeschäfte einmischte.

There was a popular uprising in Munich on March 20, 1848. In addition to the democracy movement, the impetus for this was King Ludwig I's affair with the decades-younger and equally imperious and capricious Spanish dancer Lola Montez, who even brazenly interfered in his government affairs.

 

Am 12.April 1848 inszenierte der Revolutionär und Demokrat Friedrich Hecker, der die Beseitigung des Missverhältnisses zwischen der Schrankenlosigkeit des großen Kapitals und der Not der Arbeiterklasse anstrebte, in Konstanz einen republikanischen Aufstand, der die Eroberung Südwestdeutschlands zum Ziel hatte. Die Erhebung wurde am 20.April 1848 in einem Gefecht bei Kandern (Südbaden) niedergeschlagen.

On April 12, 1848, the revolutionary and democrat Friedrich Hecker, who sought to eliminate the disparity between the unbridled nature of big capital and the plight of the working class, staged a republican uprising in Constance with the aim of conquering southwest Germany. The uprising was suppressed on April 20, 1848 in a battle near Kandern (South Baden).

 

Als Folge davon trat das, was sich in Niederstetten zugetragen hat, ganz schnell in den Hintergrund, so dass es bald der Vergessenheit anheim fiel. Es wurde geradezu verdrängt, weil sich die Mehrheit der Einwohnerschaft der Meinung hingab, der Ort wäre durch diese Handlungsweise etwas in Verruf geraten.23

As a result, what happened in Niederstetten quickly faded into the background and was soon forgotten. It was virtually suppressed because the majority of the residents were of the opinion that this behavior had brought the place into disrepute.23